Zu Gast in der Schwalm: Dr. Joachim Maschke sprach zum Thema Gastronomie

Der Trend geht zum Erlebnis

Experten: Gastredner Dr. Joachim Maschke, Anna Homm (Geschäftsführerin Dehoga Nord- und Osthessen), Hauptgeschäftsführer Dehoga Hessen Julius Wagner, Herwig Leuk, Gerhard Boucsein und Fritz-Otto Wilhelm (im Vorstand, von links) nahmen an der Versammlung teil. Foto: Rose

Oberaula. Die Mitglieder des Dehoga Bezirksverbandes Nord- und Osthessen trafen sich am Montag zu einer Delegiertenversammlung im Hotel Zum Stern in Oberaula. Zu Gast war unter anderem Dr. Joachim Maschke vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr in München. Er referierte zum Thema „Gastronomiegewerbe braucht Stärkung der Ertragskraft“.

Zunächst gab er einen Überblick über die Situation und Entwicklung in Hessen für den Zeitraum von 2008 bis 2012: 1380 Betriebe seien geschlossen worden, jedoch stieg der Branchenumsatz um 4 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro an. Damit sei auch der Durchschnittsumsatz pro Betrieb gestiegen: von 43 000 auf 388 000 Euro. Die Entwicklung sei strukturpolitisch aber nicht unbedenklich: „Betroffen von der Marktbereinigung sind inhabergeführte Kleinbetriebe und ländlich geprägte Gemeinden.“

Es gebe also nicht nur weniger Selbständige, auch sei die Versorgungslage auf dem Land verschlechtert sich. Doch wer seien eigentlich die Gewinner und die Verlierer der Marktbereinigung? Deutlich verbessert hätten sich die Rahmenbedingungen für Beherbergungsbetriebe. Dazu beigetragen habe unter anderem die Einführung des ermäßigten Mehrwertsteuer-Satzes. Deutlich sei der Anteil der Übernachtungen gestiegen: Es ergebe sich eine Verbesserung der Bettenauslastung um fünf Prozent. Kleine Gastronomiebetriebe hätten das Problem, dass Inhaber zu stark in Betriebsabläufe eingebunden seien und wenig Freiräume hätten. Auch geringe Gewinne – also unzureichende Entlohnung für extremen Arbeitseinsatz – belasteten die Gastronomen.

Hotels investierten viel

Besonders investiert worden sei deshalb in den vergangenen Jahren vor allem in Hotels: „Die Mehrwertsteuersenkung hat dazu beigetragen, dass geplante Investitionen überproportional hoch sind“, verdeutlichte Maschke. In der Gastronomie sei eine deutliche Zurückhaltung spürbar. Damit auch keine Anhebung der Wettbewerbsfähigkeit. Preise anzuheben und und die Auslastung zu verbessern seien mögliche Ziele der Selbsthilfe: „Aber besonders in Deutschland ist die Preisempfindlichkeit hoch.“

Maschke riet, dass sich Gastronomen besonders im ländlichen Raum, zusammen schließen und neue Konzepte erarbeiten müssten. „Besonders junge Gastronomen sind da sehr aufgeschlossen.“ Es gelte, regionalspezifische Stärken heraus zu arbeiten: „Der Trend geht immer noch in Richtung Event- oder Programmgastronomie.“

Der Bereich der Nachfolge habe sich besonders im familiären Bereich etwas entspannt. Jüngere zeigten wieder mehr Interesse am elterlichen Betrieb. Voraussetzung sei ein leistungsfähiger Betrieb: „Die Gastronomen dürfen nicht ins Hamsterrad eingespannt sein, sondern sollten Aufgaben delegieren.“ (zsr)

Quelle: HNA

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