Als einer der ersten

Havarie in Wittdün mit 30 Verletzten: Treysaer half auf Amrum 

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Treysa. Eigentlich sollte es für Christian Hill und Sarah Jane Müller ein unbeschwerter Tagesausflug von Amrum nach Sylt werden. Dann das Unglück: Der aus Treysa stammende Arzt war als einer der ersten bei dem Fährunglück vor anderthalb Wochen in Wittdün als Lebensretter im Einsatz.

Wie viele andere stand das Paar an der Anlegestelle und wartete auf die Fähre, die plötzlich wegen eines Defekts der Motorsteuerung nahezu ungebremst die Piermauer rammte. Passagiere wurden über Deck geschleudert, Taschen und Koffer flogen durch die Luft - so schilderten Zeugen den Aufprall. Der Kapitän soll noch kurz vor dem Anlegemanöver über Lautsprecher gewarnt haben: „Festhalten! Festhalten!“

Panik habe es auf dem Schiff nie gegeben, sagt Hill. Das könnte dem gut koordinierten Einsatz der professionellen Ersthelfer zu verdanken sein. Denn noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte hatten sie die Lage gesichtet, die Schwere der Verletzungen eingeschätzt, entsprechend koordiniert und erstversorgt.

Gemeinsam mit einem anderen Arzt sei er als einer der ersten an Bord gewesen, um zu helfen, erzählt der 28-Jährige. Jeweils auf einem Deck haben sich die beiden Ersthelfer einen Überblick verschafft. Von chaotischen Zuständen berichteten Zeugen: Viele Verletzte - man lag übereinander. Menschen mit Prellungen, Platz- und Schürfwunden galt es zu versorgen, davon erzählt auch der angehende Internist.

Ein Großteil der Passagiere hatte vor dem Anlegemanöver bereits ihre Plätze verlassen und stand an Deck und wartete, aussteigen zu können. Sie stürzten bei dem Aufprall. Ein älterer Mann erlitt dabei schweren Verletzungen am Brustkorb. Gemeinsam mit Kollegen hat Hill ihn intubieren müssen, bevor er mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus kam. Der Mann hat vermutlich sein Leben dem schnellen Einsatz von Christian Hill zu verdanken. Der Arzt hat inzwischen die Nachricht erhalten, dass der Mann auf dem Weg der Besserung sei.

Insgesamt dreieinhalb Stunden war Christian Hill, der inzwischen in Gießen lebt und in einem Krankenhaus in Lich arbeitet, mit den eingetroffenen Rettungskräften im Einsatz. Für die hatte es einen Großalarm gegeben. Anfangs waren sieben Hubschrauber, ein Seenotrettungskreuzer sowie mehrere Notärzte und viele Rettungswagen vor Ort. 27 Menschen wurden bei dem Unfall verletzt, drei erlitten schwere, teilweise lebensgefährliche Verletzungen. Insgesamt waren 234 Menschen an Bord, darunter viele ältere Menschen und mehrere Schulklassen.

Was als Ausflugstag begonnen hatte, endete für viele im Schock. Für Christian Hill und seine Freundin stand am Ende des einwöchigen Urlaubs auf Amrum das Übersetzen mit der Fähre aufs Festland. Und auch da ist er professionell: Angst hätten sie auch angesichts des Erlebten dabei keine verspürt, sagt er. „Es ging.“

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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