Verbraucherzentrale rät Betroffenen: Vertrag widerrufen und nicht zahlen

Trickreich zum Abo

Melsungen. Mit fragwürdigen Angeboten und zweifelhaften Versprechungen versuchen unseriöse Firmen oft, ihre Produkte zu verkaufen. Ein Jahresabo der Zeitschrift Hörzu soll eine Beiseförtherin bezahlen, das sie nach eigenen Angaben nicht abgeschlossen hat – das wären 1,85 Euro pro Zeitschrift, die nun einmal wöchentlich zugestellt werden soll.

Nach anfänglicher Verwunderung über ein Bestätigungsschreiben der Pressevertriebszentrale und der Leipziger Firma Direktvorteil ahnte sie Schlimmes: Sie hatte Ende Oktober nach ihrem Einkauf an einer angeblichen Umfrage zur Marktforschung teilgenommen.

Auf dem Gelände des Herkules Baumarktes in Melsungen wurde sie von zwei Männern angesprochen. „Sie machten einen vertrauenswürdigen Eindruck“, sagte die Beiseförtherin. „Sie wollten wissen, warum die Leute immer weniger lesen.

Für die Postzustellung der entsprechenden Fragebögen musste ich ein Formular unterschreiben.“ Zudem habe sie sich vorher noch einmal vergewissert: „Ihr dreht mir jetzt aber kein Abo an?“ Die Mitarbeiter hätten das mündlich verneint. „Das ist eine Masche, die bundesweit auftaucht“, erklärt Frank Asthalter, Polizeihauptkommissar der Polizeidirektion Homberg.

Vertrag mit Unterschrift

Sofort kontaktierte die Betroffene den Zeitschriftenverlag, der ihr kurz darauf einen augenscheinlich rechtskräftigen Vertrag mit ihrer Unterschrift schickte. Den habe die Beiseförtherin bereits schriftlich gekündigt. Außerdem hat sie Anzeige erstattet.

Bisher gibt es im Schwalm-Eder-Kreis zwei Anzeigen in zwei unterschiedlichen Fällen. „Die Dunkelziffer in solchen Betrugsfällen ist groß. Viele Betroffene erstatten gar keine Anzeige“, sagt Asthalter.

Widerrufsrecht

Grundsätzlich gilt bei Verträgen, die in der Öffentlichkeit abgeschlossen werden, das 14-tägige Widerrufsrecht ab Vertragserhalt. „Davon sollten Betroffene auch Gebrauch machen. Ein formloses Schreiben per Einschreiben mit Rückschein an das entsprechende Unternehmen schicken reicht aus“, sagt Eva Raabe, Leiterin der Beratungsstelle Kassel der Verbraucherzentrale Hessen. Eine schriftliche Kündigung greife dagegen erst mit Ablauf des Abos. Die Gefahr, Kleingedrucktes bei solchen Abo-Fallen zu überlesen, sei groß.

In Fällen, in denen der Verdacht eines Betrugs besteht, rät Eva Raabe: zugestellte Zeitschriften sammeln und den geforderten Rechnungsbetrag nicht zahlen. „Oft bleiben die Firmen stur und mahnen“, erklärt sie. Dann sollten sich Betroffene auf jeden Fall an die Beratungsstellen der Verbraucherzentrale wenden. Die Chance, solche Betrugsfälle aufzuklären, sei dadurch umso größer.

Von Nina Skrzyszowski

Quelle: HNA

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