Begräbniskultur im Umbruch: Der Trend geht zu pflegeleichteren Grabstätten

Der Trost der Bäume

Ein Wald entsteht: Volker Feige (stehend) und Alexander Ganz im Friedpark der Stadt Fritzlar – gleich angrenzend an den Friedhof. Fotos: Yüce

Fritzlar. Sie sind fest verwurzelt und recken sich doch zum Himmel: Bäume. In Fritzlar können seit anderthalb Jahren unter – zugegeben noch kleinen – Bäumen ökologisch abbaubare Urnen beigesetzt werden. Auch aus der Asche von Menschen wächst so ein großer, starker Baum.

„Schon 21 der Plätze in dem Friedpark sind belegt. 20 weitere sind bereits verkauft“, sagt Alexander Ganz von der Stadt Fritzlar. Das Angebot werde gut angenommen. Insgesamt stehen 24 Bäume auf dem Neuen Friedhof zur Verfügung. Ahorn, Buchen, Linden und Eichen spenden Hinterbliebenen Trost. Besonders die Eiche sei beliebt. „Vielleicht, weil sie für Stärke steht“, vermutet Ganz.

Je 25 Menschen können neben einem Baum bestattet werden. Gleich rechts neben jedem der Bäume steht ein großer Stein. Daran befestigt sind kleine Kupfertafeln mit Name, Geburts- und Todestag darauf. „Sie sind so angebracht, dass man ungefähr nachvollziehen kann, wer wo liegt“, erklärt Volker Feige.

Es gibt sie zwar noch oft, die Gräber, die von einer Generation zur nächsten gepflegt werden, doch häufen sich die Fälle, in denen die Mitarbeiter der Abteilung Friedhofswesen der Stadt Angehörige ermahnen müssen. „Das machen wir, wenn die Gräber längere Zeit nicht gepflegt wurden und verwildern“, sagt Feige. „Häufig ist es dann ein Generationenproblem“, erklärt Ganz. Wohl auch deshalb geht der Trend hin zu pflegeleichten und naturnahen Bestattungsformen unter Bäumen oder auf Wiesenflächen.

Keine Arbeit für Angehörige

Es seien längst nicht nur naturverbundene Menschen, die sich für eine Bestattung im Friedpark entscheiden, wissen Feige und Ganz. „Manche wollen ihren Angehörigen die Grabpflege ersparen“, sagt Ganz. Denn im Friedpark fallen keine Arbeiten für die Angehörigen an – Grabschmuck ist nicht erlaubt. „Es soll schließlich ein Wald entstehen“, erklärt Feige. Deshalb gibt es auch keine festen, ebenen Wege, die zu den Grabstellen führen. „Darüber sollte man sich im Klaren sein, Angehörige, die nicht gut zu Fuß sind, haben es gegebenenfalls schwer, zu den Bäumen zu gelangen“, sagt Feige.

Geringere Kosten

Ein weiterer Grund für die Bestattung unter Bäumen seien die vergleichsweise geringen Kosten. 300 Euro für 20 Jahre. Zum Vergleich: Die Bestattung in einer Wahlgrabstätte kostet 660 Euro für 30 Jahre. Und für ein Urnenreihengrab zahlt man 550 Euro für 30 Jahre.

Pflegeleicht und individueller seien indes die Urnen-Grasgräber. Sie bestehen lediglich aus einem flachen Grabstein auf einer Wiese. Keine Einfassung, keine hohen Steine – Gedenken ganz schlicht. „Eine Blumenschale darf man aber aufstellen“, sagt Ganz. Die Pflege der Wiese übernehmen dann die Friedhofsmitarbeiter.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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