Trotz Gebietsreform: Kein Bauland in Guxhagen in Sicht

Wie soll es weitergehen in der Bachstraße: das fragen sich nicht nur von links Ortsvorsteher Gerhard Gibhardt, Anwohner Gerhard Vogt und Ortsbeiratsmitglied Lothar Barthel. Fotos: Grugel

Guxhagen. In Verträgen zur Gebietsreform von 1970 ist die Rede vom Ausbau der Bachstraße in Wollrode - dort aber ist der mittlere Abschnitt noch immer nicht ausgebaut.

Und nichts lässt darauf schließen, dass an dem längst maroden Straßenabschnitt einst das Dorfleben pulsierte: Früher gab es dort einmal einen Lebensmittelmarkt, eine Bäckerei und ein Gasthaus, berichtet Ortsvorsteher Gerhard Gibhardt.

Heute stehen an der Bachstraße in Höhe Wendelgasse zwei leere Häuser. Sie haben die Hausnummern 18 und 27 und liegen laut Kreisverwaltung wie alle Gebäude an der Bachstraße bis auf eine Ausnahme in einem denkmalgeschützten Bereich.

Der Ensembleschutz macht ein Entwickeln von Bauland nicht leichter, ist aber auch eine Chance. Denn in Absprache mit der Denkmalpflege kann man die Häuser nach Angaben der Behörde auch verändern und so trotz Vorgaben zeitgemäß gestalten.

Gute Erfahrungen mit der Denkmalpflege hat Frieda Zufall gemacht. Ihr Elternhaus an der Bachstraße mit Scheune, Garten und Garagen steht seit eineinhalb Jahren zum Verkauf. Davor hatte es die gebürtige Wollröderin, die seit 40 Jahren in Südhessen lebt, vermietet. Vor Jahren schon habe ihr die Denkmalpflege signalisiert, die Scheune zu Wohnzwecken umgestalten zu dürfen, nur die Außenhülle hätte stehen bleiben müssen. Letztlich seien die Bemühungen aber nicht erfolgreich gewesen, weil das Haus niemand wollte, berichtet Zufall.

Auch das kleine grüne Fachwerkhaus an der Bachstraße 27 steht leer. Über die Eigentumsverhältnisse will die Denkmalpflege aus Datenschutzgründen nichts sagen. Doch auch Laien können an der Immobilie einiges ablesen: Der Fachwerkbau ist Teil eines Doppelhauses, außerdem hat das Anwesen keinen Garten, was zusammengenommen sicherlich kein Verkaufsschlager auf dem Lande ist. Nachbar Gerhard Vogt hat schon lange kein Licht mehr im Haus gesehen. Wie es mit dem Haus weiter geht, wissen weder er noch der Ortsbeirat.

570 Einwohner

Dabei ist die Bachstraße als Prachtstraße im 570 Einwohner starken Wollrode denkbar. Gar nicht tief unter der Straßenoberfläche fließt der Schwarzbach durch Rohre. Man könnte das Wasser wieder sichtbar machen und ins Straßenbild einbeziehen. Eine Idee, die in den 1980er-Jahren zu Zeiten der Dorferneuerung bereits diskutiert und dann verworfen wurde. Über den Bach müssten einfach zu viele Brücken zu den Häusern gebaut werden, erklärt der Ortsvorsteher.

Reichlich Patina 

Reichlich Patina können Passanten am Ende der Bachstraße an der Ecke Kohlenstraße entdecken. Dort steht die Alte Mühle, an der bis Ende der 1950er-Jahre der Schwarzbach durch ein Wasserkraftwerk floss. Wer die stellenweise liebevoll restaurierte Mühle anschaut, kann verstehen, weshalb der Denkmalschutz auf die Bachstraße ein Auge geworfen hat - und zwar aus geschichtlichen Gründen, erklärt die Behörde. Nur weiß auch die Behörde nicht, wie die Wollröder ihr Erbe bewahren können.

Hintergrund

Die Entwicklung von Bauland stößt in Wollrode schnell an Grenzen. In der Bachstraße sind die meisten Häuser von ihren Eigentümern auf Vordermann gebracht worden. Wer Leerstände nutzen möchte, muss kräftig in den Bestand investieren, wer bauen will, muss in Absprache mit der Denkmalpflege für viel Geld ein Haus abreißen. Was helfen kann, die Straße für Bauinteressenten attraktiv zu machen, weiß auch Ortsvorsteher Gerhard Gibhardt nicht. Und Baulücken? Die gibt es im Dorf, erklärt der Ortsvorsteher, nur gebe es für die Eigentümer auch viele Gründe, die Grundstücke nicht zu verkaufen. Viele behielten das Land beispielsweise, weil sie mit dem Verkaufserlös nichts anfangen könnten, Sichtachsen nicht stören wollten oder das Land ihren Enkeln schenken wollten. Auch die Erschließung eines weiteren Baugebietes im Mühlenfeld ist schwierig, sofern man bedenkt, dass von dort nicht weit entfernt bald die Höchstspannungsleitung von Wahle nach Mecklar verlaufen soll.

Von Lorenz Grugel

Quelle: HNA

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