Trotz Potenzial: Edelholz-Anteil im Stadtwald Zierenberg ist nur gering

Bodenprofile: Forsteinrichter Hermann Dilling hat bei Friedrichsaue den Boden untersucht. Im Vorfeld hatte er dafür den Pürckhauerbohrer senkrecht ins Erdreich geschlagen, um eine Bodenprobe zu entnehmen. Dies demonstrierte Dilling fürs Foto. Im Anschluss wurde ein Stück Erde ausgehoben. Ziel ist es unter anderem, Rückschlüsse über die Wasserversorgung zu ziehen. Fotos: Thon

Der Stadtwald rund um Zierenberg hat das Potenzial zu etwas Besonderem. Jedes Fitzelchen der knapp 1200 Hektar großen Flächen ist reich an Nährstoffen - in Hessen gelten gerade einmal 22 Prozent der Wälder als nährstoffreich. Die Bestände um Zierenberg bringen alles mit, um sich zu vielschichtigen, artenreichen Mischwäldern mit einem hohen Anteil an Edelhölzern zu entwickeln.

Zierenberg. Die Realität jedoch sieht anders aus. Es sind viele Faktoren, die auf die Entwicklung der Baumvegetation Einfluss haben. In den vergangenen Monaten war Forsteinrichter Hermann Dilling unterwegs, um im Wald Inventur zu machen.

Alle zehn Jahre werden die Bestände unter die Lupe genommen. Das Ergebnis dieser Arbeit ist Grundlage für eine nachhaltige Bewirtschaftung, die sich an der Maßgabe orientiert, nur höchstens so viel Bäume zu entnehmen wie nachwachsen können. Nach Aufnahme des Waldzustandes und Erkundung der ökologischen Grundlagen kommt Dilling zu einem ersten Fazit: „Mit dem Anteil der Edelhölzer bin ich nicht zufrieden.“

Diese Einschätzung teilt auch Forstamtsleiter Uwe Zindel. Lediglich zwölf Prozent der Laubbäume im Revier nahe Friedrichsaue seien Edelhölzer. Zu ihnen zählen Arten wie Ahorn, Esche, Elsbeere und Kirsche. Dabei könnte über natürliche Vermehrung die Quote auf über 30 Prozent gesteigert werden. Das Problem: Rehe beißen die jungen, nachwachsenden Triebe ab, Rotwild schält die schmackhafte Rinde von den verhältnismäßig seltenen Bäumen. Auf diese Weise verkümmert die Naturverjüngung.

Bodenprofile erstellt

Hermann Dilling ermittelt bei seiner Waldinventur aber nicht nur den Zuwachs der vergangenen Jahre, er hat auch Bodenprofile erstellt. Im Stadtwald Zierenberg sind es an verschiedenen Standorten sieben Profile, in den Waldgebieten um Naumburg und Wolfhagen jeweils sechs. Der Aufbau der Böden liefert den Förstern wichtige Anhaltspunkte über Nährstoff- und Wasserversorgung.

Bei Friedrichsaue wächst der Wald auf einer dünnen Lage Ton, einer Bodenschicht des Oberen Buntsandsteins. Da Ton viel Wasser bindet, bestehe in niederschlagsarmen Zeiten die Gefahr, dass vor allem Buchen nicht ausreichend mit Wasser versorgt werden, sagt Uwe Zindel. Wenn es auch in diesem Sommer kaum einen Tag gegeben habe, an dem es nicht geregnet habe, so müssten die Sommer der vergangenen zehn Jahre aus Sicht der Forstwirtschaft als zu trocken eingestuft werden. Am Standort nahe Friedrichsaue könnte die Entwicklung langfristig Auswirkungen auf die Vegetation haben. Schon jetzt deuten einzelne trockene Buchenkronen einen Wassermangel an. Während Buchen einen ausgeglichenen Wasserhaushalt benötigen, tolerieren Edelhölzer Schwankungen bei der Wasserversorgung besser.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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