Häusliche Gewalt: Verfahren gegen 52-Jährigen aus dem Altkreis Ziegenhain vorläufig eingestellt

Trotz Prügel: Frau bleibt bei Ehemann

Treysa. Weil er seine Ehefrau geschlagen hat, musste sich ein 52-Jähriger aus dem Altkreis vor dem Amtsgericht in Treysa verantworten. Der Mann hatte unter Alkoholeinfluss auf seine Frau eingeprügelt, nachdem sie ihm den Stecker aus der Wand gezogen hatte, weil er zu laut Musik hörte. Das Gericht stellte das Verfahren gegen den Mann vorläufig ein und verurteilte ihn zu 40 Arbeitsstunden in einer gemeinnützigen Einrichtung.

Am Morgen des 7. Dezember 2010 war die Situation zwischen den Eheleuten eskaliert. Gegen 4.20 Uhr wandte sich die Frau hilfesuchend an die Polizei. Eine Aufzeichnung des Notrufs lag dem Gericht vor und gewährte Einblick in die dramatische häusliche Situation. Unter Tränen gab die Frau am Telefon an, von ihrem Mann geschlagen worden zu sein. Schreie des Mannes waren aus dem Hintergrund zu hören. Er forderte sie dazu auf, den Anruf abzubrechen.

Vor Gericht zeigten sich die Eheleute einvernehmlich. Der 52-Jährige sagte, es täte ihm leid, seine Frau geschlagen zu haben. Er habe sich bei ihr entschuldigt. Die Ehefrau bestätigte, es sei alles wieder in Ordnung, und sie wohnten weiterhin zusammen.

Hinsichtlich des eigentlichen Vorfalls in der Wohnung der Eheleute machten beide vor Gericht von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Die Zeugenaussagen der beiden Polizisten, die nach dem Notruf die Wohnung der Eheleute aufgesucht hatten, gaben Aufschluss über den Zustand der Frau nach der Tat. Sie sei an Auge und Rücken verletzt gewesen und habe sich im Wohnzimmer aufgehalten.

Den Mann trafen die Polizisten in alkoholisiertem Zustand im vermeintlichen Schlafzimmer an. Er wurde belehrt und zwecks Blutprobe mit zur Polizeidienststelle genommen. Den Übergriff auf seine Frau gestand der 52-Jährige.

Laut Aussage der Polizisten, beschimpften sich die Eheleute. Beim Verlassen der Wohnung habe der Mann seiner Frau zugerufen: „Ich mach dich platt!“

„Ich mach dich platt!“

Ehemann, laut Polizei

Ihm wurde ein Betretungsverbot der gemeinsamen Wohnung erteilt. Die Blutprobe ergab bei ihm 1,4 Promille. Die Frage, ob er ein Alkoholproblem habe, wies der 52-Jährige entschieden zurück.

Die ebenfalls als Zeugin aussagende Ermittlungsbeamtin gab vor Gericht an, sie habe die Ehefrau nach dem Übergriff aufgesucht und sie über ihre Möglichkeiten zum Schutz vor häuslicher Gewalt belehrt.

Die Frau, die mit ihrem Mann seit 29 Jahren verheiratet ist, habe jedoch keinerlei Hilfe in Anspruch nehmen wollen und die Anzeige gegen ihren Ehemann zurückgezogen.

Die von der Polizei kontaktierten Nachbarn hatten angegeben, es habe schon häufiger Probleme mit der Familie des Angeklagten gegeben. Aus Angst vor Sanktionen wollten sie jedoch keine weiteren Aussagen machen. (zhk)

Quelle: HNA

Kommentare