Autor und Schriftsteller Berndt Schulz lebt und arbeitet seit April in Holzburg

Tüftler im Zirkuswagen

Genießt die Landidylle: Schriftsteller Berndt Schulz verzieht es zum Schreiben in seinen Zirkuswagen in Holzburg. Fotos: Rose

Holzburg. Es klingt romantisch – ein ausgedienter Zirkuswagen, der jetzt einem Schriftsteller als Domizil dient. Und irgendwie es ist es das auch, wenn man die „Zugbrücke“ – so nennt Autor Berndt Schulz seine Treppe hinauf in den Wagen, die er praktisch einklappen kann – empor steigt.

Für den gebürtigen Berliner hat sein Arbeitszimmer mitten im Grünen „Heimatcharakter“ – wahrscheinlich auch deswegen, weil im Wagen ein Ofen steht, der mit Holz beheizt wird. „Ich mache gerne Holz.“ Den Zirkuswagen hat der Publizist und Bühnenautor vor sieben Jahren gekauft. Umgebaut steht die Behausung jetzt im über den Dächern Holzburgs gelegenen Garten des Pfarrhofes.

Allein das Aufstellen war nicht ganz einfach. Unter Mithilfe der Bauern mit ihren kräftigen Traktoren gelang es schlussendlich doch. Seit Anfang April lebt Berndt Schulz in Holzburg. Zog mit seiner Frau Heidrun Merk von Frankfurt aufs Land. „Im Haus ist zu viel Betrieb. Ich brauche zum Schreiben diese gewisse kontemplative Stimmung, in der ich alle Geräusche gedämpft höre“, erzählt er.

Sein Begehren teile nur selten jemand an der Zugbrücke mit: „Ich bin grimmig genug, um die Leute abzuweisen“, sagt Schulz – und leise, fast unbemerkt, umspielt ein ironisches Lächeln das sonst eher ernste Gesicht. In Holzburg habe er seine „schriftstellerische Krise“ überwunden, erzählt der 70-Jährige: „Hier sind mir sintflutartig Geschichten eingefallen. Das hat mit dem Ort zu tun.“

Er entdeckte Tiere – als Mitwesen. „Ich bin einfach mitgezogen“, beschreibt Schulz seine anfängliche Motivation, künftig in Holzburg zu leben. „Ich habe mich eher als Stadtmensch, als Flaneur-Typ, gesehen.“ Er beklage jedoch nicht, was er verliere, sondern sehe, was er auf dem Land gewinne. Das Abgründige und Widersprüchliche komme ihm häufig in Beschreibungen des Landlebens zu kurz. Genau das sei der Stoff, der ihn reize.

Literatur als Lebenskonzept

Schulz, gebürtig aus Berlin, und „Unterschichtler“, hatte sich als junger Mensch vorgenommen, Literatur zum „Konzept“ seines Lebens zu machen. „Literatur ist mehr als nur Bildungsgut“, findet er. Er rede mit seinen Figuren – „und sie sprechen auch zu mir“. „Ich bin beim Schreiben alleine, aber nie einsam.“ Die Menschen auf dem Land habe er schätzen gelernt. Sie konsumierten weniger als Städter: „Hier kann jeder etwas, jeder macht etwas selber.“ Das mache die Menschen selbstbewusst. Und authentisch.

Über seine Leser sagt Schulz: „Es wird heute nicht weniger gelesen als vor 40 Jahren. Aber wer digital liest, erwartet, dass schneller etwas geschieht. Man muss die Leute fesseln. Heute wird mehr Lesefutter und weniger Literarisches erwartet.“ Manchmal gehe ihm, dem Sprachtüftler, der Sprachverfall auf den Geist. „Ich mag keine Sprachhülsen, keine Allgemeinplätze.“ Als Fußballfan schaue er zwar die Expertenrunden im Fernsehen an, drehe aber den Ton runter: „Ich blicke dann lieber in die Gesichter.“ Er habe von den Jungen gelernt. „Ich bin milder geworden. Leben und leben lassen. Man muss die Einstellung in sich selbst ändern.“

• Termin: Die Galerie Holzburg lädt für Sonntag, 31. Mai, ab 18 Uhr ein: Berndt Schulz wird zum Thema „Unser schönes Leben“ lesen – abgründige Geschichten mit hintersinnigem Humor, die subtil vom Leben auf dem Land erzählen. Gitarrist Holger Lützen sorgt für Musik. Der Eintritt ist frei. (zsr)

www.galerie-holzburg.de

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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