Wenig Antworten bei Informationsveranstaltung

Vorwürfe gegen Bürgermeister: Tunnel erhitzt Gemüter

Das Großprojekt Eisenbahntunnel wirft viele Fragen auf: Laut neuesten Informationen starten die Baumaßnahmen möglicherweise erst Anfang 2015, eine Bürgerversammlung soll bald Klarheit bringen. Fotos: Hoffmann

Zierenberg. „Ein Bürgermeister sollte für die Bürger seiner Stadt da sein“, wetterte die Besucherin der Informationsveranstaltung gegen den Zierenberger Rathauschef Stefan Denn.

Mangelnde Informationspolitik wirft sie ihm vor, wie auch etliche andere Bürger der Warmestadt, die sich im Wohngebiet am Schreckenberg mit zwei Bauprojekten konfrontiert sehen, zu denen ihnen aus ihrer Sicht jegliche Form der Information fehlt.

„Ob wir nun vom Großprojekt Eisenbahntunnel oder dem Neubau einer Feldscheune an der Dörnbergstraße sprechen, wir stehen als direkt Betroffene völlig im Dunkeln“, sagt Michael Lipphardt, der gemeinsam mit Stephan Kernke zum Informationsaustausch in den Kasseler Hof eingeladen hatte.

Vorausgegangen waren intensive Recherchen sowie ein Termin im Rathaus, der nicht zur Aufklärung beitragen konnte. Die Rede ist von verschwundenen Akten, halbherzigen Erklärungsversuchen seitens des Bürgermeisters und völliger Unkenntnis zuständiger Abteilungen wie dem Bauamt. „Wir wollen nicht mehr als Antworten auf unsere Fragen, um die zahlreichen Gerüchte aus der Welt schaffen zu können“, sagt Stephan Kernke.

Neben der Angst vor drohendem Gestank durch den neuen Ziegenstall der Brüder Michael und Frank Schmidt, erhitzt vor allem der Neubau des Eisenbahntunnels durch die Kurhessenbahn zwischen Fürstenwald und Zierenberg (HNA berichtete) die Gemüter der Schreckenberganwohner. Mit vielen Fragezeichen blicken sie dem Großprojekt entgegen: Über welche Strecke sollen die rund 12 000 Lastwagen mit Abbruchmasse geführt werden? Wird rund um die Uhr gearbeitet? Sind Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen?

Fragen, auf die auch der Bürgermeister den rund 50 Besuchern keine zufriedenstellenden Antworten geben konnte. „Die ersten Fragen hätten schon vor zehn Jahren gestellt werden müssen“, verwies der Rathauschef auf den Planungsbeginn lange vor seinem Einzug ins Zierenberger Rathaus. Bis zum im August erfolgten Planfeststellungsbeschluss habe es mehrere Anhörungsverfahren gegeben, sämtliche Pläne seien vorschriftsmäßig im Rathaus ausgehängt und im Stadtanzeiger darüber informiert worden.

Ein Versäumnis seitens der Stadt wollte er nicht eingestehen, sieht sich in dem Thema vielmehr ganz bei den Bürgern. „Der Bauherr ist kein leichter, auch ich weiß von der Kurhessenbahn erst seit Freitag, dass der Baubeginn womöglich nochmals auf Anfang 2015 verschoben wird“, sagt Denn, der die Sorge der Anwohner vor allem in Sachen Lärm teilt: „Derzeit ist die Rede von drei Sprengungen pro Tag, da falle auch ich im Rathaus vom Stuhl.“

Weiterhin sprach er von „intensiven Bemühungen“, möglichst viel Verkehr aus der Stadt herauszuhalten, derzeit sei der Abtransport des Abraums über Wege abseits der Stadt geplant, lediglich der Rückweg der leeren Lkw solle über die Dörnbergstraße zurück zum Tunnel erfolgen. Definitive Antworten könne aber nur die Kurhessenbahn geben.

„Die Kritik ist angekommen, ich versuche, noch in diesem Jahr eine Bürgerversammlung zu realisieren“, versprach Denn, bevor er ging. Rückfragen zum Thema bei der Kurhessenbahn blieben bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Von Sascha Hoffmann

Das sagt Bürgermeister Stefan Denn zu den Vorwürfen

Die Anwohner fühlen sich von Ihnen allein gelassen, sprechen von mangelnder Informationspolitik, verschwundenen Akten. Was sagen Sie dazu?

Stefan Denn: Es gibt weder eine mangelnde Infopolitik noch verschwundene Akten. Zum Thema Mehrzweckhalle gibt es nur eine Akte im Rathaus, diese war beim Besuch der „Delegation“ der Anlieger nicht sofort auffindbar. Weiterhin ist für die Genehmigung der Halle die Bauaufsicht des Landkreises in Wolfhagen zuständig, die bereits mehrfach Akteneinsicht gewährt hat. Auf den Bau besteht ein Rechtsanspruch, daran gibt es nichts zu rütteln. Sie steht im Außenbereich und dient nachweislich der Landwirtschaft. Durch die Unterbringung der Ziegen und das Lagern von Futter wird in keiner Weise eine Lärm- oder Geruchsbelästigung entstehen.

Es ist die Rede von einer Wertminderung der Anwesen am Schreckenberg um zehn bis zwölf Prozent.

Denn: Das Gegenteil ist der Fall. Seit Jahren sind die Gebäude und Grundstücke am Schreckenberg aufgrund der hervorragenden Lage am Rande des Naturschutzgebietes, der guten wirtschaftlichen Entwicklung der Region und der Infrastruktur in Zierenberg ständig im Wert gestiegen. Inwieweit ein Ziegenstall zu einer Wertminderung führen soll, ist mir unerklärlich. Diese Befürchtungen sind in jeder Hinsicht unbegründet. Die Tiere werden nur im Stall gehalten. Das Grundstück wird eingepflanzt und die Beleuchtung so angebracht, dass die Anlieger auf der anderen Straßenseite davon nicht beeinträchtigt werden. Richtig ist, dass man über das Thema vor Baubeginn hätte sprechen können.

Wenn Bürger mobil machen gegen ihre Informationspolitik, wäre es nicht ratsam gewesen, die Ausschus-Sitzung, wegen der Sie früher gingen, zu verlegen?

Denn: Eine Terminüberschneidung ist immer bedauerlich, aber manchmal nicht zu ändern. Zudem war der Termin leider auch nicht mit mir abgesprochen, er wurde mir nur mitgeteilt. Dennoch habe ich zugesagt, für eine Stunde zu kommen. Die Stadtverordneten kontrollieren einen Bürgermeister, dazu dienen auch die Ausschusssitzungen. Dieses Kontrollrecht ist genauso hoch zu bewerten wie das der Bürger. Und an diesem Abend musste ich beiden gerecht werden. Dass das nicht gewürdigt wird, ist bedauerlich, aber auch nicht zu ändern. Gern stehe ich für weitere Gespräche zur Verfügung. (zhf)

Quelle: HNA

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