Abhebegebühren: Kunden müssen zahlen - Auch ohne Hinweis am Automaten

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Ein verärgerter Bankkunde: Albert Valentin aus Edermünde-Holzhausen musste Gebühren zahlen, als er mit seiner EC-Karte am Automaten Geld abhob - obwohl das nicht angezeigt wurde.

Schwalm-Eder. Albert Valentin ärgert sich. Der 64-Jährige aus Edermünde-Holzhausen musste 2,05 Euro für eine Abhebung mit seiner EC-Karte zahlen. Das sei zwar nicht viel Geld, aber er findet das Verhalten der beteiligten Banken nicht in Ordnung.

„Verbraucherschutz sieht anders aus“, mokiert sich Valentin. Auf seine Frage nach den Kosten in der Raiffeisenbank in Grifte bekam er als Antwort, die Bank würde keine direkten Kundengebühren erheben. Also hob er Geld ab. Auf dem Kontoauszug des Sparda-Kunden standen allerdings 72,05 Euro. Abgehoben hatte er indes nur 70 Euro. „Ich dachte, die Banken müssten seit vergangenem Jahr die Gebühren anzeigen.“ So hatte es der Gesetzgeber eigentlich auch vorgeschrieben.

Im geschilderten Fall zieht die Raiffeisenbank als Genossenschaftsbank die Gebühr in Höhe von 2,05 Euro von der Sparda-Bank Hessen, ebenfalls eine Genossenschaftsbank, ein. Die Sparda-Bank Hessen holt sich diese Gebühr ihrerseits vom Kunden zurück. Das bestätigt Peter Hoffmann, Direktor Unternehmenskommunikation Sparda-Hessen.

Die Aussage des Kollegen der Raiffeisenbank sei daher kritisch zu betrachten. Denn ob die Hausbank diese Gebühr an ihre Kunden weiterreiche, werde unterschiedlich gehandhabt. „Für unsere Kunden werden nur dann keine Gebühren fällig, wenn sie an Automaten der Sparda-Banken und Mitgliedsbanken aus dem Cash-Pool Geld abheben“, sagt Hoffmann. Es sei auch korrekt, dass diese Gebühren nicht während des Abhebevorgangs angezeigt würden. Im Preis- und Leistungsverzeichnis der Sparda-Bank würden die Gebühren aber aufgeschlüsselt.

Der geschilderte Fall sei speziell, sagt Gabriele Lotzgeselle, Sprecherin der VR-Bank Chattengau. Bei der Gebühr handele es sich um eine Interbankengebühr. Diese werde immer dann fällig, wenn Kunden eines Verbundes Geld am Automaten einer anderen Bank abheben.

Ein Beispiel: Ein Kunde der VR-Bank Schwalm-Eder hebt am Automaten der VR-Bank Chattengau Geld ab. „Wir berechnen dabei eine Gebühr in Höhe von 1,05 Euro und die VR-Bank Schwalm-Eder erstattet ihrem Kunden den Betrag“, erklärt Lotzgeselle. Im konkreten Fall habe die Bank die vereinbarte Gebühr (2,05 Euro bei Sparda-Banken) belastet, aber die Sparda-Bank sich dafür entschieden, Albert Valentin diese Gebühr in Rechnung zu stellen. „Da wir nicht wissen können, wie die jeweilige Hausbank entscheidet, können wir diese Gebühr am Geldautomaten auch nicht anzeigen“, sagt Lotzgeselle. Dies sei auch bei den Sparkassen untereinander so. In der Regel würde die Hausbank die Interbankgebühr übernehmen. Dies müsste man erfragen, sagt Lotzgeselle.

Valentin ist immer noch verärgert. „Ich überlege mir jetzt einen Bankwechsel“, sagt er.

Quelle: HNA

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