Eine Uhr überführte vor 200 Jahren den Täter

Sagenumwobene Orte: Was es mit der Mordbuche bei Beiseförth auf sich hat

Die Mordbuche: Volker Wiegand zeigt das Schild, das neben einer Informationstafel an das erinnert, was vor über 200 Jahren im Wald bei Beiseförth geschah. Fotos: Kamisli

Beiseförth. Die Dunkelheit bricht herein an diesem 3. Mai 1815 als sich der Leinenhändler Valentin Hau mit zwei weiteren Männern auf dem Weg Richtung Morschen befindet.

Dort wird Hau aber niemals ankommen, denn seine Begleiter haben es auf seine Uhr und sein Geld abgesehen und erschlagen ihn bei Beiseförth im Wald.

Heute erinnert die Mordbuche oberhalb der Wildsbergquelle an die Tat von damals. Eine Informationstafel erläutert, dass nach dem Mord zunächst ein Unschuldiger aus Heina verhaftet wurde, der zwei weitere Männer aus Melsungen als Mittäter belastete. Erst ein Jahr später konnten durch einen Zufall die wahren Täter ermittelt werden.

Volker Wiegand, 2. Vorsitzender des Geschichtsvereins Melsungen, wundert es nicht, dass der Leinenhändler im Wald unterwegs gewesen ist. Das was heute ein Wanderweg ist, war zur damaligen Zeit eine Art Hauptverkehrsweg - auch Franzosenweg genannt. „Das war so eine Art B83“ , sagt er. Der Weg verband den Handelsplatz Nürnberg mit den Hansestädten Bremen, Hamburg und Amsterdam. „Mit einem Transportwagen brauchte man von Melsungen damals 23 Tage bis nach Amsterdam“, sagt der 68-Jährige.

Der Leinenhändler Hau hat vor seinem verhängnisvollen Weg Richtung Morschen mit seinen Begleitern noch in Melsungen im Gasthaus Zur Traube Halt gemacht, weiß Wiegand. Dort befand sich damals der Übergang über die Fulda. Hau wollte dort übernachten, doch seine Begleiter überredeten ihn, nach Morschen weiter zu wandern. So schreibt es Waltari Bergmann in seiner Chronik Tausendjähriges Morschen - anhand von Gerichtsakten hat er die Geschichte rekonstruiert.

Getroffen hat Hau die beiden Männer im Gasthaus Heerwagen in Kassel. Er war ihnen wohl durch seinen prallgefüllten Geldsack aufgefallen. Die beiden Männer boten sich an, ihn zu begleiten. Der Händler wollte zurück nach Poppenhausen in die Rhön, von wo er stammte.

Sich von Fremden begleiten zu lassen, war zur damaligen Zeit durchaus üblich, sagt Wiegand. „Es war einfach sicherer in Gruppen zu gehen“, so der 68-Jährige. So sei nicht verwunderlich, dass der Leinenhändler keinen Argwohn hegte als die beiden Männer im Wirtshaus vorgaben, den gleichen Weg zu haben.

Dass die wahren Mörder entdeckt wurden, ist einer Uhr zu verdanken, die der Leinenhändler bei sich getragen hatte und die im Kasseler Wirtshaus aufgefallen war.

Als ein Jahr später einer der Mörder wieder im Heerwagen einkehrte und die Uhr bei sich trug, wurde er von der Wirtin erkannt und konnte festgenommen werden. Auch der zweite Täter wurde gefasst. Bei der Tatortbegehung aber konnte einer für immer fliehen, der zweite wurde mit dem Schwert hingerichtet.

Volker Wiegand hat drei Varianten heraus gesucht , die zur Mordbuche führen:

Adelshausen: Am Grillplatz rechts halten und den Berg hoch wandern bis zur Jägersruh; Dort links weiter den Berg hoch und an der Einmündung rechts Richtung Mordbuche. Zeitbedarf ca. eine Stunde.  

Heina: Am Ortsausgang geht es in den Wald. Dem Wanderweg X17 folgen bis zum Sendemast, hinter dem Sendemast geht es an der Gabelung rechts Richtung Mordbuche. Zeitbedarf ca. dreißig Minuten.

Beiseförth: Über den Rücken, der über Bahntunnel führt bis zur Einmündung des X17. Eine liegende Raute weist den Weg. An der Wegkreuzung zum X17 geht es geradeaus weiter zur Mordbuche. Zeitbedarf ca. eine Stunde.

Quelle: HNA

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