Landessportbund startet Initiative – Sportkreise wollen mitarbeiten

Übergriffe in Vereinen: Kodex soll Schutz bieten

Schwalm-Eder. Gewalt, sexuelle Übergriffe und diskriminierendes Verhalten sind Themen, die auch vor Sportvereinen nicht Halt machen. Um Kinder und Jugendliche noch besser davor zu schützen, sollen Hessens Sportvereine ihre ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter einen „Verhaltenskodex zum Kindeswohl“ unterschreiben lassen. Das fordert der Landessportbund Hessen.

Die hessischen Sportvereine sind vom Landessportbund gebeten worden, den Verhaltenskodex unterschreiben zu lassen. Davon sind im Landkreis 348 Vereine mit 17 600 Mitgliedern unter 18 Jahren betroffen. Die Unterschrift sei zwar keine Garantie, dass Übergriffe verhindert werden, sagt Dr. Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes. Sie schrecke aber ab und sensibilisiere.

Da der Landessportbund gegenüber den Vereinen nicht weisungsbefugt ist, liegt es an den Vereinen, die Empfehlung und damit das Missbrauchsthema ernst zu nehmen. Auf Nachfrage bei den beiden Sportkreisen des Schwalm-Eder-Kreises sprachen sich deren Vorsitzende dafür aus, Trainer den Kodex unterschreiben zu lassen.

„Ich halte den Kodex für sinnvoll. Er trägt dazu bei, dass die Vereine wachsam sind“, sagte Ulrich Manthei, Vorsitzender des Sportkreises Fulda-Eder. In seinen 17 Amtsjahren sei ihm kein Fall bekannt geworden, aber es seien früher möglicherweise auch „Dinge unter den Teppich gekehrt worden“. Diese Zeit sei solle nun vorbei sein. Werner Almási, Vorsitzender des Sportkreises Schwalm, ist ebenfalls kein Fall bekannt. Aber auch er sagt: „Die Dunkelziffer ist in Vereinen hoch. Es wird Zeit, dass jeder mal in sich geht und über Beobachtungen offen gesprochen wird. Dabei kann der Kodex hilfreich sein.“

Gudrun Neher, die bei der Sportjugend Hessen für den Kodex zuständig ist, sagt, dass sich das Problem nicht etwa auf pädophile Trainer beschränke. Sie berichtet von Fällen von unsittlichen Berührungen bei Hilfestellungen oder sexistischen Sprüchen. „Sport hat mit Körpernähe zu tun. Das Thema geht nicht an uns vorbei.“ (bal/ kma)

Quelle: HNA

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