Überraschung in Balhorn: Relikt des alten Dorfes wurde sichtbar

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Blick in die Vergangenheit: Im Tor im Balhorn wird zurzeit die Kanalisation erneuert. In der Baugrube fand man alte Balken (die Enden sind im vorderen Teil der Grube zu erkennen), die zum Fundament des früheren Pfarrhauses gehören. Fotos:  Norbert Müller

Balhorn. Im Nachhinein hatte das Unwetter der vergangenen Woche mit sintflutartigen Regenfällen und Hagelschlag doch auch etwas Positives. In Balhorn, wo gerade marode Abschnitte der Kanalisation erneuert werden, sackte aufgeweichtes Erdreich in eine Baugrube, sichtbar wurde ein Relikt des alten Dorfes.

Anwohner des an die Baugrube angrenzenden Hauses entdeckten die kleine Sensation: die Spitze mächtiger Balken. Sie informierten Ortsvorsteher Karl-Heinz Dohrer, der sich sofort mit dem Bauamt der Gemeinde Bad Emstal in Verbindung setzte und einen Baustopp erwirkte, „damit uns da nichts verlorengeht“. Zusammen mit dem heimatgeschichtlich engagierten Mitglied des Balhorner Kulturvereins, Dr. Martin Kugler, nahm er dann das freigelegte Stück Geschichte genauer in Augenschein und nahm mit dem Amt für Denkmalpflege in Marburg Kontakt auf.

Erstmal hat man dann vorsichtig mit Maurerkellen das im Boden über Jahrhunderte konservierte Holz von Erde befreit. Unterstützung gab es dann von den Arbeitern der Baufirma, die schwere Steine zur Seite räumten, die auf den Balken lagen. So wurde der zur Straße zeigende Winkel freigelegt, genug, um von den beiden sich treffenden Hölzern jeweils ein knapp 40 Zentimeter langes Stück abzusägen. Sie sollen laut Dohrer in einem Göttinger Institut untersucht werden, um herauszufinden, wann die Bäume - nach Dohrers Einschätzung Eichen oder Buchen - für die Balken geschlagen wurden. Der Ortsvorsteher: „Auf das Ergebnis sind wir schon sehr gespannt.“

Ziemlich sicher sind sich die Balhorner Heimatgeschichtler, dass es sich bei der gefundenen Balkenlage um einen Teil des Fundaments des alten Pfarrhauses handelt, das im Dreißigjährigen Krieg verwüstet wurde. Auf den Balken befand sich eine Ton/Lehm-Schicht, auf die dann die Sandsteine für den Sockel gesetzt wurden. Dohrer: „So wurden früher die Fundamente in Balhorn gelegt, weil der Boden dort sehr schwammig ist. Die Ton/Lehm-Schicht hat das Wasser ferngehalten.“

Zur Straße hin war die Mauer des Pfarrhauses gut einen Meter dick und gehörte zur Wehranlage, die die Kirche umgab. Das alles ist aus alten Dokumenten bekannt.

Natürlich würde man an der Stelle des alten Pfarrhauses mehr aus der Geschichte erfahren. Aber dafür, sagt Karl-Heinz Dohrer, fehle das Geld. Aus den geringen Verfügungsmitteln des Ortsbeirates finanziere man die Untersuchung der Holzstücke, zusammen mit dem Lohn für die Unterstützung durch die Bauarbeiter komme man auf gut 1000 Euro.

So werde der Boden wohl noch eine Menge Geheimnisse aus der Vergangenheit behalten, vielleicht bis sich irgendwann wieder einmal ein kleines Fenster in die Vergangenheit öffnet.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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