Üble Kindheit mildert Strafmaß

Diebstahl und Körperverletzung: 18 Monate auf Bewährung

Fritzlar. Zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilte das Amtsgericht Fritzlar einen 22-Jährigen aus dem Schwalm-Eder-Kreis. Der zur Tatzeit als Heranwachsender geltende Angeklagte musste sich wegen gefährlicher Körperverletzung sowie Diebstahls verantworten.

Der erste Verhandlungsfall bezog sich auf den Einbruch in ein Fritzlarer Kosmetikstudio im August 2010. Dabei stahl der Angeklagte Gegenstände im Gesamtwert von 3000 Euro.

Den Einbruch habe er aus Geldnot begangen: „Ich wollte mir auch mal was leisten können und nicht von meiner Mutter abhängig sein“, begründete er seine Tat vor Gericht. Geständig zeigte er sich auch im Fall der gefährlichen Körperverletzung. Bei einem Vorfall im November 2011 hatte er laut Anklage seinen damals 54 Jahre alten Onkel mehrfach wahllos geschlagen und getreten.

Der stark gehbehinderte Mann zog sich Prellungen im Gesicht, Hämatome sowie Verletzungen an Armen und Beinen zu. Ausgangssituation zu diesem Vorfall war ein mehrfaches Kellertür-Knallen des Angeklagten im Haus des Onkels.

Daraufhin habe er seinen Neffen gebeten, dies zu unterlassen, sagte der Zeuge. Der Angeklagte sei völlig überraschend die Kellertreppe hinaufgestürmt, habe ihn zu Boden gerissen und auf ihn eingeschlagen: „Er war außer sich und hat einfach nicht von mir abgelassen“, beteuerte der Onkel vor Gericht.

An den detaillierten Ablauf seines „Ausrasters“ konnte sich der Angeklagte, der bei der Tat unter Alkohol und vermutlich auch unter Drogen stand, nicht mehr erinnern.

Als Ursache benannte er Beleidigungen des Onkels, auf die er reagiert habe. Seit seiner Kindheit sei das Verhältnis schlecht gewesen, beteuerte der 22-Jährige.

Das bestätigten Zeugen, darunter auch die Mutter des Angeklagten. Der Ex-Schwager habe ihren Sohn verbal misshandelt. Bereits in der Kindheit des Sohnes sei es zu Übergriffen des Onkels gekommen, beteuerte die aufgewühlte 48-Jährige. Im Hinblick auf die Spannungen und die Umstände in der Kindheit des Angeklagten sowie das umfassende Geständnis entschied das Schöffengericht letztendlich für eine Bewährungsstrafe.

Dazu trug auch die öffentliche Entschuldigung bei: „Ich schäme mich dafür, was ich getan habe. Ich wollte das alles nicht, es tut mir leid.“

Von Sigrid Ehl-von Unwerth

Quelle: HNA

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