Schlechte Noten für  Bad Emstaler Therme: Zukunft ungewiss

Schlummern in der Bad Emstaler Therme: Das könnte schon bald der Vergangenheit anghören. Die Düsseldorfer Unternehmensberatung Altenburg rät zu einer radikalen Reduzierung des Angebots. Lediglich der Erhalt von Bewegungsbecken und Physiotherapie seien aus wirtschaftlicher Sicht ratsam, zumal die Gemeinde einem radikalen Sparzwang unterliegt. Archivfoto: Thon

Bad Emstal. Die Düsseldorfer Unternehmensberatung Altenburg empfiehlt in seinem Gutachten Sauna und große Bereiche der Becken zu schließen. Sie rät zu einem Kurmittelhaus. Für die Zukunft der Therme in Bad Emstal in ihrer jetzigen Form sieht die Unternehmensberatung Altenburg schwarz.

Sie hält den Erhalt eines Kurmittelhauses für die realistischste Option und rät von einer Modernisierung der Therme ab. Der Nutzen einer größeren Investition für die kaum auf Kurbetrieb ausgerichtete Gemeinde sei gering, zumal die Kommune dann den Betrieb weiterhin mit mehr als 650.000 Euro pro Jahr bezuschussen müsste.

Am Donnerstagabend stellten die Unternehmensberater Dietmar Altenburg und Marco Steinert-Lieschied aus Düsseldorf ihr Gutachten über den Kurbetrieb vor, zu dessen Erstellung sie vom Gemeindevorstand beauftragt worden war. Damit hatten die Politiker auf die Diskussion über die Zukunft des stark defizitären Mineral-Thermalbades reagiert. Für das Büro hatten sich die Bad Emstaler entschieden, weil es in der Bundesrepublik seit 20 Jahren Bäder und Sporteinrichtungen begutachtet und in Nordhessen bereits einige Thermen auf Herz und Nieren geprüft hatte. Nach Auswertung aller Fakten empfahl die Unternehmensberatung, lediglich an der Physiotherapie mit Bewegungsbecken (Kurmittelhaus) festzuhalten, so könne der Kurstatus bewahrt werden. Zudem hätten Kurpark, Kursaal und das Fremdenverkehrsbüro als Bestandteile des Kurbetriebes eine Zukunft.

Nicht zustimmungsfähig

Selbst wenn sich die Gemeinde für eine Modernisierung der Therme (Investitionssumme: fünf Mio. Euro) entschließen oder auf eine Reduzierung des Angebotes mit öffentlichem Badebetrieb, Kursen und Therapie (Investition: drei bis 3,5 Mio. Euro) einigen würde - die Aufsichtsbehörden würden nach Beratermeinung dem nicht zustimmen. Schließlich schiebe die Gemeinde einen enormen Schuldenberg vor sich her und statt Geld auszugeben, müsse sie sparen.

Unter allen Angebotsbausteinen des Kurbetriebes sei das Thermalbad der problematischste. Der Sanierungsstau sei hoch, bei den Betiebskosten gäbe es jährlich ein Defizit; für die Kommune existiere ein nur geringer wirtschaftlicher Nutzen. Die Besucherzahlen gingen zurück und ihre Auswertung habe ergeben, dass nur etwa sieben Prozent der Badegäste aus Bad Emstal kommen, was etwa 6000 Besuchern pro Jahr entspricht.

Die ursprüngliche Idee, mit dem Bau der Therme einen markanten Punkt in der Kur- und Tourismuslandschaft zu setzen, sei aus heutiger Sicht gescheitert, sagt Altenburg. Seit Bestehen der Therme habe sich die touristische Infrastruktur eher negativ entwickelt. Der Berater räumte ein, dass ein Wegfall der Therme negative und eine Modernisierung positive Folgen für Übernachtungsbetriebe haben würde. Jedoch habe es im Jahr 2012 nur 13 000 kurtaxpflichtige Übernachtungen gegeben, somit habe dieser Bereich nur eine geringe Bedeutung. Es stelle sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit.

Schlechte Noten auch für die Sauna. Aus Sicht der Gäste sei sie unmodern, ein direkter Zugang zur Therme fehle. Um die Sauna attraktiv zu gestalten, müsste neu gebaut werden. Davon rät er ab, er empfielt die Schließung der Sauna.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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