Ernährungswoche: In der Dörnberger Kita werden nur noch süße Früchte genascht

Umkehr zu den Obstbergen

Rat’ mal, was da drin steckt: Gudrun Schnaas erklärt Sohn Robert, dass eine Hand voll Gummibärchen zehn Zuckerwürfel enthält. Ernährungsberaterin Alexa Weppler hat Johanna und Carolin Bartneck schon überzeugt: Sie naschen lieber Äpfel. Foto:  Schleichert

Dörnberg. In der winzigen Hand von Robert Schnaas türmen sich Zuckerwürfel: Der Zweijährige soll raten, wie viel Zucker in der Tüte Gummibärchen steckt, die er beäugt.

„Gesunde Ernährung kann im Kindergarten angestoßen werden“, sagt Helga Waldeck, „oder scheitern.“ Die Leiterin der Evangelischen Kindertagesstätte Dörnberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Schützlinge auf den gesunden Weg zu führen: Sie lernen in dieser Woche, welche Lebensmittel sie bedenkenlos naschen können - und welche nicht. „Die Woche ist Teil unseres neuen Ernährungskonzepts“, erklärt Kita-Leiterin Helga Waldeck. Fünf Tage, fünf Projekte und fünf Chancen, den Kindern gute Ernährung schmackhaft zu machen.

Am Mittwoch sind die Großen gefragt: Mütter und Väter sitzen auf Zwergenstühlen und lauschen Ernährungsberaterin Alexa Wedler von der Verbraucherzentrale Hessen. Gerade erklärt sie wie aus kleinen Zuckermäulern begeisterte Obstesser werden: „Das geht nur mit klaren Regeln“, sagt Wedler, die selbst lernen musste, die Süßigkeitendosen vor ihren kleinen Kindern wegzusperren.

Zuckerbomben oder Obstberge? Dass im Kindergarten ein Grundstein für die Essgewohnheiten der Eltern gelegt werden, davon ist Leiterin Waldeck überzeugt: „Viele Kinder lernen hier zum ersten Mal feste Essstrukturen kennen.“

Die Strukturen waren in den vergangenen Zeit aufgeweicht: Die Süßigkeiten in den Frühstücksboxen der Dörnberger Kinder wurden von Jahr zu Jahr mehr. „Immer öfter brachten sie Schokolade, Gebäck und andere Kalorienbomben mit.“ Die Folge: Neid unter den Kindern.

Die Erzieherinnen in Dörnberg zogen die Notbremse – und kehrten um Richtung gesunde Ernährung. „Seit September haben wir einen neuen Speiseplan“, erklärt Waldeck. Vollkornnudeln, Seelachsfilet und Gemüsepfanne kommen unter anderem auf den Tisch. Und auch die Frühstücksdosen sollen die Eltern anders füllen: ohne Süßigkeiten, dafür mit Obst und Vollkornprodukten.

„Mein Robert ist ein ganz Süßer“, sagt Mutter Gudrun Schnaas, und meint damit nicht die Kulleraugen im runden Gesicht, sondern seine Lust auf Süßes. Robert greift nun nicht mehr zum Marmeladenbrot. Er nascht Äpfel.

Von Pia Schleichert

Quelle: HNA

Kommentare