Die Probleme warten schon

Umweltmeteorologe  Katzschner über Folgen der Klimaveränderungen

Bäche fallen im Sommer immer öfter trocken: Auch im Liemeckebach wird während längerer Hitzeperioden das Wasser knapp. Unser Foto vom Gewässer bei Wolfhagen entstand in diesen Tagen. Foto: Thon

Wolfhager Land. Seit einigen Jahren beobachten die Menschen im Wolfhager Land, dass Bäche vor allem während des Sommers weniger Wasser führen und teilweise sogar trocken fallen. Der Kasseler Umweltmeteorologe Prof. Lutz Katzschner macht dafür eine Abnahme der Sommer-Niederschläge verantwortlich.

Extreme Niederschläge in Folge von Gewittern hingegen nähmen zu. Und er prophezeit, dass die eigentlichen Probleme noch in der Zukunft warten. In den kommenden 20 Jahren werde die Durchschnittstemperatur um ein bis zwei Grad steigen, während der nächsten 50 Jahre klettere sie exponentiell weiter – die Kurve werde also noch steiler nach oben zeigen. Dies gepaart mit einer stärkeren Verdunstung und einem weiteren Rückgang der Regenfälle während der an sich niederschlagsreichsten Zeit des Jahres, dem Sommer, werde die Situation um die Wasserverknappung noch verschärfen.

Prof. Dr. Lutz Katzschner

„Die Niederschläge verstärken die klimatischen Veränderungen“, sagt Katzschner. Sie wirken wie eine Art Katalysator. Ein Beispiel: Ein heißer Sommer ist per se schon ein Problem. Fehlt dem Sommer zudem noch das Wasser, spitzt sich die Lage weiter zu. Sind die Böden in Juli und August knochentrocken und kommt es dann zu Gewittern mit Starkregen, fließt das Wasser an der Oberfläche ab. Damit wiederum steigt das Risiko von Überschwemmungen.

Im Juli hat der Wissenschaftler ein Forschungsprojekt der Uni Kassel abgeschlossen, in dem er fünf Jahre lang die Auswirkungen des Klimawandels auf Nordhessen untersuchte. Die Region ist eine von acht in ganz Deutschland, die im Programm KLIMZUG („Klimaanpassung zukunftsfähig gestalten“) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung näher betrachtet wurde.

Die Ergebnisse seiner Forschung sind für Katzschner eindeutig. Bereits heute müssten von Politik und Planern Weichen gestellt und Konsequenzen gezogen werden, wenn die Folgen des Klimawandels Nordhessen in 20 Jahren und darüber hinaus nicht so hart treffen sollen wie befürchtet. „Wir müssen eine komplexe Diskussion führen“, sagt der Umweltmeteorologe. „Wir müssen uns fragen, ob wir es uns noch leisten können, in extremen Jahren Wasser zu entnehmen.“

Der oberflächennahe Wassermangel speziell im Wolfhager Land dürfte Einfluss haben auf kleine Ökosysteme. Auch die Landwirtschaft werde die Klimaveränderung stärker zu spüren bekommen. Pflanzen könnte das Wasser fehlen, gleichzeitig müssten die Landwirte ihren hohen Wasserverbrauch überdenken.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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