200 kamen zur Bürgerversammlung

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Breuna erwartet

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Volles Dorfgemeinschaftshaus in Breuna: Das Thema unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Breuna aufzunehmen interessierte viele Menschen im Ort.

Breuna. Noch nie waren in Breuna soviele Gäste bei einer Bürgerversammlung: 200 Interessierte kamen, um sich über die bevorstehende Aufnahme unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge zu informieren.

Sie sollen ab 1. Januar im ehemaligen Ratshotel in Breuna wohnen und vom Waldeckschen Diakonissenhaus Sophienheim (WDS) Bad Arolsen betreut werden. Die Fragen der Gäste waren zum Teil kritisch und ängstlich, die Stimmung tendierte aber deutlich in den positiven Bereich. WDS-Vorsteher Pfarrer Oswald Beuthert erkärte die Hintergründe und beantwortete Fragen.

Die neun jungen Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, die zunächst in Breuna aufgenommen werden sollen, sind zum Teil bis zu drei Jahren auf der Flucht gewesen, erklärte Beuthert. Die traumatisierten Kinder im Alter zwischen neun und 18 Jahren würden auch psychologisch betreut. Nach einem Aufenthalt in einer sogenannten Clearing-Station beherrschten sie schon ganz gut die Deutsche Sprache. Ab dem vierten Aufenthaltsmonat in Breuna soll die Gruppe auf zwölf Jugendliche erweitert werden. Der Betreuungsschlüssel ist 1 zu 1,8. Auf 1,8 Flüchtlinge komme ein Betreuer. Alles seien Fachkräfte mit Erzieherausbildung oder Sozialpädagogen. Zwei WDS-Mitarbeiter sollen die Jugendlichen in Breuna betreuen, drei bis vier neue Mitarbeiter würden noch gesucht.

„Welchen Glauben haben die denn?“, wollte ein Gast wissen. „Es sind Muslime, Christen und auch orthodoxe Christen“, sagte Beuthert. Auch bei jungen Flüchtlingen in Bad Arolsen, die dort ebenfalls vom WDS betreut werden, gebe es diese Glaubensmischung, und es funktioniere hervorragend. „Die Moslems haben mit den Christen Weihnachten gefeiert und die Christen umgekehrt den Ramadan“, sagte Beuthert.

„Was, wenn die ihre Familien nachholen wollen?“, war die nächste Frage. Beuthert: „Dann wird der Flüchtling nicht mehr dem Jugendrecht unterliegen. Und ja, es wird eine Welle der Familienzusammenführung geben. Da müssen wir uns nichts vormachen“, sagte Beuthert.

Ob den Jugendlichen Essen geliefert werde, wollte ein Zuhörer wissen. Ganz im Gegenteil, erklärte der WDS-Pfarrer. Die Jugendlichen sollen lernen, eigenständig zu werden. Deshalb sollen sie auch gemeinsam kochen. „Wer bezahlt das alles?“, fragte ein Gast. „Das wird über die Jugendämter finanziert“, sagte Beuthert. Und er warb um Verständnis: „Wir können die jungen Menschen auf ein Abstellgleis stellen, oder versuchen, sie zu integrieren. Wir brauchen diese jungen Menschen. Klar ist mir auch, dass es da zwiespältige Gefühle gibt.“ Bei der Frage nach einem Internetzugang für die Gruppe bot ein junger Mann an, bei der Einrichtung eines öffentlichen WLAN behilflich zu sein. Dann hätten auch die Breunaer Bürger was davon.

Und auch ein Verein meldete sich zu Wort, der VfL-Wettesingen. Im Verein spielten schon Flüchtlinge aus Afghanistan mit, die in Warburg leben. „Wir freuen uns, wenn noch mehr kommen“, sagte eine Frau.

Viel Applaus gab es für den Schlusssatz einer Zuhörerin: „Ich würde mir wünschen, dass wir in Breuna diesen jungen Menschen einen guten Start ermöglichen.“ Gerhard Koch (SPD), Vorsitzender der Gemeindevertretung, sagte: „Ich denke, wir kriegen das hin.“ Bürgermeister Klaus-Dieter Henkelmann (SPD) erklärte, dass Breuna bisher noch keine Zuweisung von Flüchtlingen erhalten habe. Er gehe aber davon aus, dass noch Menschen kommen werden. „Wir tragen ein Stück Verantwortung für die Lage in Europa mit.“

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Quelle: HNA

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