Offenbar waren Laien mit einer Motorsäge am Werk

Unbekannte fällen exotischen Baum am Naumburger Kronberg

Er ist sauer: Michael Reichenberg war beim Pflanzen des Baums vor 20 Jahren dabei und entdeckte den umgesägten Mammutbaum. Foto:  Norbert Müller

Naumburg. Er wird seinem Namen keine Ehre mehr machen können: Der Mammutbaum, den Naumburger Forst- arbeiter vor 20 Jahren im Wald am Kronberg pflanzten, wurde von Unbekannten gefällt.

Michael Reichenberg hat 37 Jahre lang als Fortwirt im Naumburger Stadtwald gearbeitet, ehe er vor Kurzem zum Bauhof wechselte. Bei seiner Tour durch den Stadtwald zum Leeren der Müllkörbe entlang der Wanderstrecken entdeckte er am Freitag den abgesägten Exoten. „Die Späne waren noch ganz frisch“, sagt der 53-Jährige, „vermutlich ist es am Abend zuvor oder in den Morgenstunden passiert.“

Für Reichenberg besteht kein Zweifel: „Das waren Stümper, keine Fachleute.“ Mit einer Motorsäge wurde der Baum ganz offensichtlich umgelegt, und das sehr laienhaft. „Da wurde kreuz und quer geschnitten, bis der Baum ab war“, sagt der Naumburger. Der Fallkerb wurde zum Weg, Richtung Bank hin angebracht, der Baum selbst krachte aber in die entgegengesetzte Richtung. Bei der Größe und dem Gewicht des inzwischen an die 20 Meter hohen Baums eine lebensgefährliche Aktion. „Man kann dabei draufgehen“, sagt der erfahrene Forstwirt.

Die Schnittfläche hat einen Durchmesser von 40 Zentimeter. „Als wir den Baum damals gesetzt haben, war der Stamm nicht mal faustdick und das ganze Bäumchen vielleicht zwei Meter hoch.“

Klicken Sie auf das Bild, um den Baum vollständig zu sehen. Foto:  Anton Günst

Spendiert hatte den Mammutbaum der Naumburger Revierförster Peter Muster. An markanter Stelle wurde der Baum platziert, genau im Kreuz von vier Forstabteilungen, knapp zehn Meter abseits des Waldweges. Ein großer Sandstein mit der Aufschrift „Mammutbaum 1995“ wurde dazugestellt. Seit März dieses Jahres komplettierte eine Holzbank das Ensemble. Die haben die Waldarbeiter dem Förster zum Geburtstag geschenkt.

Schnell hatte sich die Bank am Baum zu einem gern aufgesuchten Ort zum Verweilen im Wald entwickelt. Auch Michael Reichenberg gönnte sich hier Pausen bei privaten Besuchen im Wald: „Beim Pilzsammeln habe ich mit meinem kleinen Sohn hier Rast gemacht.“

Und dabei mag er daran gedacht haben, was für ein prächtiger Baum hier in einigen Jahrzehnten einmal stehen würde. „Ein Anziehungspunkt für den Tourismus.“

Daraus wird nun nichts mehr. „Für mich ist das ein richtiges Attentat“, sagt Reichenberg sauer. Eine unsinnige Aktion, bei der der Täter zudem noch damit rechnen musste, erwischt zu werden: „Hier ist relativ viel los. Jogger, Leute mit Hund, Holzrücker, Forstarbeiter und auch Jäger sind hier oben unterwegs.“

Ob es einen Ersatz geben wird, ist derzeit noch offen. Michael Reichenberg hofft, dass der Täter gesehen wurde und aufgrund von Hinweisen zur Verantwortung gezogen werden kann.

Die Stadt Naumburg hat am Dienstag Anzeige bei der Polizeistation Wolfhagen erstattet. Hinweise an die Polizei, 05692/98290.

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Quelle: HNA

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