Unbekannte kippten Jauche ins Abwassersystem der Pfieffer Kläranlage

Pfieffe/Mörshausen. Die Stadt Spangenberg hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt: In der Kläranlage Pfieffe wurden am Dienstag, 14. Juli, weit überschrittene Grenzwerte gemessen.

Das teilte die Polizei Melsungen gestern mit.

DIE TAT 

Kläranlage Pfieffe

Die Polizei geht davon aus, dass 3000 Liter Jauche in das Pfieffer Abwassersystem gekippt wurden. „Die Jauche muss bewusst über einen Ablauf in einem Wirtschaftsgebäude ins Abwassersystem eingelassen worden sein“, sagt Friedhelm Koch vom Bauamt der Stadt Spangenberg. Bei dem Täter könnte es sich um einen Tierhalter handeln, der keine landwirtschaftlichen Flächen hat. „Denn aus landwirtschaftlicher Sicht macht es keinen Sinn, die Jauche ins Abwassersystem zu kippen.“ Schließlich sei Jauche Dünger für Wiesen und Felder. Die Polizei schließt auch nicht aus, dass es sich bei der mutwilligen Tat um eine vorsätzliche Schädigung der Stadt Spangenberg handelt.

DIE ENTDECKUNG 

Am Dienstag, 14. Juli, war das Wasserschutz-Dezernat des Regierungspräsidiums (RP) Kassel zu turnusmäßigen Messungen der Spangenberger Kläranlagen vor Ort. In Pfieffe wurden drei Proben entnommen: eine vor der Kläranlage, eine nach der Kläranlage, also vor dem Ablauf in die Pfieffe, und eine vor dem Nachbardorf Bischofferode, weil auch das Abwasser aus Bischofferode in die Pfieffer Kläranlage fließt. Am gereinigten Wasser, das in die Pfieffe geleitet wird, wurde festgestellt, dass die Grenzwerte, speziell bei Stickstoff und Phosphat, zu 100 Prozent überschritten wurden. Abwassermeister Robert Ringelberg stellte zudem eine extreme Schaumbildung im Belebungsbecken der Pfieffer Kläranlage fest - ein Zeichen für eine Überbelastung der Anlage. Tags zuvor war noch nichts zu sehen.

DIE FOLGEN 

Das verunreinigte Wasser, das in die Pfieffe fließt, kann zu hoher Algenpopulation führen. Für Fischsterben sei die Konzentration zu gering, teilt Koch mit. Dennoch sorgt die Verunreinigung für hohe Kosten. Dafür werden alle Einwohner zahlen müssen, weil die Kosten zum Ende des Jahres auf die Abwassergebühren umgelegt werden.

DIE STRAFE 

Gewässerverunreinigung ist nach Mitteilung des Schwalm-Eder-Kreises ein Straftatbestand gegen die Umwelt. Dieser wird nach Paragraf 324 Strafgesetzbuch mit einer mehrjährigen Freiheitsstrafe oder mit einer Geldstrafe geahndet.

DIE VORGESCHICHTE 

Bereits vor zwei Jahren wurde in Pfieffe Jauche ins Abwassersystem abgelassen. Damals war die Menge so groß, dass die Kläranlage abgepumpt werden musste. Um die Bakterien mit Schlamm zu versorgen, musste dieser aus Spangenberg angeliefert werden. Und das sorgte für hohe Kosten.

FALL IN MÖRSHAUSEN 

Auch in Mörshausen gibt es einen aktuellen Fall: Seit drei Wochen stellt Wassermeister Ringelberg fest, dass nachts gegen 2 Uhr der Belüfter für die Klärung des Mörshäuser Abwassers stark arbeitet. Eigentlich liegt die Haupttätigkeit in den Morgen- und in den Abendstunden.

Hinweise:  Polizei Melsungen: Tel. 05661 / 70890

Quelle: HNA

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