Leben in ständiger Angst

Unbekannter terrorisiert Melsunger Ehepaar mit Droh-Briefen

Melsungen. Ein Melsunger Ehepaar erhält seit acht Jahren Drohbriefe. Mittlerweile sind die beiden so verzweifelt, dass sie sich an die Zeitung gewandt haben.

Sie hoffen, dass ein Leser dazu beitragen kann, den Fall aufzuklären – und ihnen so endlich wieder Ruhe und Frieden schenkt.

Der erste Drohbrief kam am 23. März 2007. Seitdem leben Karl und Rita Schmidt (Namen von der Redaktion geändert) in ständiger Angst.

Das Melsunger Ehepaar muss Beruhigungs- und Schlafmittel in hoher Dosierung einnehmen, damit der anonyme Briefeschreiber sie nicht um den Schlaf bringt - und um den Verstand.

Karl Schmidt hat sich einen Waffenschein ausstellen lassen und trägt nun fast immer eine Pistole bei sich, weil er sich dann sicherer fühle, wie er sagt. „Ich glaube ja nicht wirklich, dass jemand kommt und uns all das antut, was er uns in den Briefen androht. Aber meine Nerven spielen einfach verrückt“, erklärt Karl Schmidt.

Der zweite Brief kommt am 29. Oktober 2007, der dritte am 27. Mai 2008, der vierte am 26. August 2009, der fünfte am 30. April 2010. Dann bleibt es vier Jahre lang ruhig. „Wir dachten, dass jetzt nichts mehr kommt“, sagt Rita Schmidt. Doch am 31. Januar 2014 liegt plötzlich wieder ein anonymer Brief im Postkasten der Schmidts. Der nächste folgt am 14. Juli 2014 - und der darauffolgende kommt ausgerechnet zu Heiligabend, am 24. Dezember 2014. „Kaum hat man sich einigermaßen beruhigt, kommt wieder ein Brief“, sagt Karl Schmidt.

In den Briefen werden Karl und Rita Schmidt massiv beschimpft und bedroht. Der anonyme Schreiber wirft insbesondere Karl Schmidt vor, seine Tochter und seine Enkelkinder sexuell missbraucht zu haben - ein Vorwurf, den Schmidt zurückweist. Der Unbekannte droht unter anderem damit, den Schmidts zur Strafe Körperteile abzuschneiden.

Das Schlimmste für Karl und Rita Schmidt aber ist, dass der Schreiber aus ihrem unmittelbaren Umfeld kommen muss - ein Verwandter, Freund, Bekannter. Denn in den Briefen werden Details erwähnt, die nur wenige Menschen über sie wissen könnten, sagt Karl Schmidt. Fast alle Briefe wurden in Melsungen aufgegeben - das fand Karl Schmidt anhand des Poststempels heraus. Das Schreiben vom 29. Oktober 2007 hingegen kam aus Frankfurt am Main, und der Brief, der an Heiligabend ankam, wurde aus Berchtesgaden abgeschickt. Dennoch glaubt Karl Schmidt, dass alle Briefe von derselben Person geschrieben wurden - und zwar mit derselben, mechanischen Schreibmaschine. „Ich bin ziemlich sicher, dass es sich dabei um eine 50 Jahre alte Erika Kofferschreibmaschine handelt“, sagt er. Ein möglicher Hinweis auf den Täter? Auffällig ist auch, dass den Briefen häufig Ausschnitte aus der Melsunger Allgemeinen beilagen - möglicherweise ist der Schreiber also HNA-Leser.

Keine Feinde

Trotz der Drohbriefe kommt es für das Ehepaar nicht infrage, aus Melsungen wegzuziehen. „Ich bin hier geboren und habe Melsungen fast nie verlassen“, sagt Karl Schmidt, „wo sollen wir denn sonst hin?“ Feinde habe er in Melsungen nicht. Auch seine Frau stellt klar: „Wir wollen hier nicht weg.“

Hintergrund

Verfahren wurde eingestellt

Als die ersten Briefe kamen, erstatteten die Schmidts Anzeige. Sie hatten sogar einen konkreten Verdacht, wer der anonyme Schreiber sein könnte. Doch dieser Verdacht erhärtete sich nicht, das Verfahren wurde eingestellt. Die Schmidts hoffen nun, dass ein HNA-Leser möglicherweise einen Hinweis auf den Täter geben kann.

Von Judith Féaux de Lacroix

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Quelle: HNA

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