Wolfhager Zehntscheune – einst Lagerhaus für die berühmteste Steuer des Mittelalters

Der ungeliebte Zehnte

Kultur statt Getreide: Heute beherbergt die Zehntscheune an der Ritterstraße das Regionalmuseum, das von Jürgen Römer geleitet wird. Foto: Hempel

Wolfhagen. Fast nichts an der Wolfhager Zehntscheune erinnert noch an eine Scheune. Bei Bauern war sie bis ins 19. Jahrhundert hinein unbeliebt. Wo der Pflug hingeht, geht auch der Zehnte hin.

Dieses Sprichwort galt auch in Wolfhagen seit dem Mittelalter. Gemeint ist der zehnte Teil der Ernte, den vor allem Bauern über Jahrhunderte hinweg abgeben mussten, erklärt Dr. Jürgen Römer, Leiter des Regionalmuseums Wolfhagen. „Zehntscheunen gab es in allen größeren Orten.“

Das Abliefern des zehnten Teils von dem, was ein Bauer geerntet hatte, war die wichtigste kirchliche Abgabe des Mittelalters. „Wer ein Stück Land bewirtschaftete, war dazu verpflichtet“, sagt Römer. In Wolfhagen sei es so gut wie jeder gewesen, der den Zehnt entrichten musste. „Fast jeder hier hat früher Landwirtschaft betrieben.“

Bezahlt wurde in Naturalien. Getreide und Feldfrüchte wanderten zentnerweise in die Zehntscheune. „Der Rentmeister in Wolfhagen musste die Waren ja irgendwo lagern“, sagt Römer. „Da passte allerhand rein, mit Zwischendecken kamen da gut 600 Quadratmeter zusammen.“ Die Pflicht, zehn Prozent des Ertrages zu entrichten, sei lange Zeit akzeptiert worden, erklärt der Museumsleiter. Dennoch sei bei der Sache auch getrickst und geschummelt worden – von beiden Seiten. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kauften sich viele Städte vom Zehntrecht frei.

Heute Regionalmuseum

Die Wolfhager Zehntscheune an der Ritterstraße beherbergt seit den 1990er-Jahren das Regionalmuseum. Museumsleiter Römer schätzt das Baujahr der Scheune auf das 16. Jahrhundert. „Im Laufe der Zeit hat man das Gebäude immer wieder an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst.“ Um 1920 wurde der Sandsteinbau grundlegend umgebaut. In dieser Zeit hat die Zehntscheune ihre fünf großen Zwerchhäuser erhalten.

Quelle: HNA

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