Konzert der Thüringer Symphoniker im Dom: Ungewohnt und schön

Mal schmeichelnd, mal anklagend: Der Countertenor Alin Deleanu erzeugte mit dem Orchester Klangbilder voller Innerlichkeit. Foto: Auerbach

Fritzlar. Feinen Musikgenuss boten die Thüringer Symphoniker aus Rudolstadt zum Tag des offenen Denkmals am Freitag in Fritzlar. 

Zwischen die Eckwerke aus Klassik und Romantik programmierte Chefdirigent Oliver Weder, höchst gegensätzlich, das sakrale „Stabat Mater“ von Antonio Vivaldi und eine Arie des Tolomeos aus der Barockoper „Julius Cäsar“ von Georg Friedrich Händel.

Beide Werke, ließ der aus Rumänien stammende Countertenor Alin Deleanu mit seiner eindrucksvollen hohen Stimme zu gesanglichen Höhepunkten werden.

Zunächst brachten die Musiker Mozarts „Serenata Notturna“ aus dem Jahr 1776 in der einzigartigen Akustik des St.-Petri-Doms zum Strahlen. Temperamentvoll und im Stehen musizierte die Solistengruppe der drei Geiger mit dem Orchester die tänzerisch-heitere Serenade.

Im „Stabat Mater“, einem mittelalterlichen Gedicht, wird die Gottesmutter Maria besungen, die um ihren gekreuzigten Sohn trauert. Vivaldi komponierte um 1727 seine neunteilige Version. Alin Deleanu erwies sich als Meister der hohen Töne des männlichen Gesangs.

Mal schmeichelte seine Stimme, mal klagte sie an und mal rührte sie an. Dem geistlichen Werk gebührend, harmonierten die Streicher, der Organist, der Lautenspieler und der Sänger mit Sensibilität. Sie erzeugten Klangbilder voller Innerlichkeit.

Händels Oper „Julius Cäsar“ von 1724 versetzt den Hörer mit der dramatischen Geschichte von Cäsar und Cleopatra nach Ägypten und in die römische Antike. Herrschsucht, Leidenschaft und Liebe bestimmen das emotionsgeladene Geschehen. Alldem verlieh der geniale Tonschöpfer durch seine Musik und mit dem virtuosen Gesang des Countertenors einen faszinierenden Ausdruck.

Alin Deleanus ungewohnt hohen und gleichzeitig schönen Gesang zu hören, war ein großartiges Erlebnis. Mit der Magie seiner außergewöhnlich beweglichen Stimme sang er die erregten Koloraturpassagen der Arie „L’empio, sleale, indegno“. In der Weite des Domes verlor sich allerdings sein Gesang zunehmend. Als klangschönen Schlusspunkt verströmten die Thüringer Symphoniker die romantische Empfindsamkeit von Antonin Dvoraks Streicherserenade E-Dur op. 22.

Das Konzert wurde gefördert von der Sparkassen-Kulturstiftung, der Kreissparkasse, dem Kulturverein und der Stadt Fritzlar.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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