Flüchtlinge fühlen sich isoliert am Knüllteich

Unterbringung von Asylbewerbern: Es mangelt an großen Wohnungen

Homberg/Schwarzenborn. Afghanistan, ein Pulverfass. Irak, ein Land der Unterdrückung. Somalia, seit Jahrzehnten vom Bürgerkrieg zerrüttet. Die Zahl der Flüchtlinge, die im Schwalm-Eder-Kreis Schutz suchen, steigt. Somit sind die Krisen der Welt längst vor unserer Haustür angekommen.

Mittlerweile leben über 700 Asylbewerber im Landkreis. Bis zum Jahresende könnten weitere 300 hinzukommen, so die Schätzung der Kreisverwaltung. Allesamt Menschen, für die eine Unterbringung gefunden werden muss. Genau das sei keine leichte Aufgabe, sagt Michael Schneider, Büroleiter der Kreisverwaltung. Er habe Verständnis für die friedliche Protestaktion der Asylsuchenden aus Schwarzenborn: Es sei keine optimale Lösung, die Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften am Rande von kleinen Orten unterzubringen.

Hintergrund

Wir werden die Beschwerden prüfen und uns darum kümmern“, sagt Michael Schneider, Büroleiter der Kreisverwaltung. Vorwiegend seien die Flüchtlinge zur Erstaufnahme in Gemeinschaftsunterkünften in Treysa, Schwarzenborn, Homberg und Wernswig untergebracht, das sehe das Gesetz so vor. Man sei sich der Probleme aber bewusst und versuche bereits verstärkt, Wohnungen anzumieten. Die Erstaufnahme könne bis zu einem Jahr dauern. Ziel des Landkreises sei es, die Konflikte zu minimieren, so Schneider weiter. Es gebe aber kaum Angebote von leerstehenden, großen Wohnungen aus den Städten und Gemeinden des Kreises. (may)

Aber Grund dafür sei auch der Mangel an Angeboten von großen, leeren Wohnungen im Landkreis. Gerade in Städten, in denen es wirtschaftlich gut laufe, sei es schwer, freien Wohnraum zu bekommen. „Wir sind ständig unterwegs, um Unterkünfte anzumieten“, so Schneider. „Dort entsteht ein großer Druck. Es brodelt.“

„In Schwarzenborn am Knüllteich sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht“, sagt Silvia Scheffer, Flüchtlingsberaterin des Diakonischen Werkes. Sie spricht sich klar gegen die Unterbringung der Menschen in Orten aus, die keine Infrastruktur haben, und auch gegen Gemeinschaftsunterkünfte. „Dort entsteht ein großer Druck. Es brodelt“, sagt sie. Länger als ein paar Monate sei die Unterbringung für die jungen Menschen, die unter anderem aus Somalia, Eritrea und Syrien stammen, dort nicht verantwortbar. Der Protest der Flüchtlinge in Homberg sei ein Hilferuf.

„Sie kommen dort nicht weg. Wir müssen uns dringend etwas anderes einfallen lassen.“ Eine mögliche Lösung: Wohncontainer in Städten. Die könnten dann auch dort stehen, wo bislang keine Flüchtlinge aufgenommen wurden. Die Situation müsse sich jedenfalls ändern. Des Problems bewusst Schwarzenborns Bürgermeister Jürgen Kaufmann ist sich der Situation sehr wohl bewusst. Die Stadt sei wegen der Unterbringung der Asylsuchenden nicht gefragt worden.

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Sicherlich gebe es woanders bessere Verkehrsanbindungen, aber es gebe auch deutlich schwierigere Unterkünfte als die beim Bundeswehrstandort. Aktuell laufe in Schwarzenborn eine Initiative an, die Menschen in den Häusern am Knüllteich zu unterstützen.

Unter anderem sind zum besseren Kennenlernen Kaffeetrinken geplant. Auch würden einige der jungen Männer am Fußballtraining des Sportvereins teilnehmen, berichtet Kaufmann. Leider sei es ihnen nicht möglich, am Spielbetrieb teilzunehmen, da sie keinen Pass besitzen.

In Homberg ist man da schon einen großen Schritt weiter, weiß der evangelische Pfarrer Friedrich Heidelbach. Er hat in der Gemeinschaftsunterkunft in der Bahnhofstraße das Café 44 – ein monatlicher Treff von Hombergern und Asylsuchenden – initiert. „Dadurch sind viele Beziehungen und Kontakte entstanden.“

Homberg werde so für die Asylsuchenden greifbarer und erfahrbarer. Zudem beteilige sich vor allem der FC Homberg sehr an der Integration der Flüchtlinge. „Es gibt auch schon einige Asylsuchende, die Spielerpässe haben.“ Man dürfe die Verantwortung nicht nur auf den Landkreis abschieben. „Es ist eine große Aufgabe für uns alle. Wir haben eine Verantwortung, uns den Menschen zu stellen. Das ist unsere Christenpflicht.“ Der monatliche Treff und auch die sportlichen Angebote seien aber nur ein Signal, nicht die Lösung.

Von Sylke Grede und Maja Yüce

Quelle: HNA

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