Nachtruhe ende um halb fünf

Unternehmen mitten im Wohngebiet: Körler leiden unter Lärm

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Liegt mitten im Wohngebiet: der derzeitige Sitz der Firma HKW an der Körler Söhrestraße.

Körle. Als Jörg Zeiler und Gerlinde Jakob vor etwa 25 Jahren ein Haus an der Körler Rhönstraße kauften, ahnten sie noch nicht, wie viel Ärger damit auf sie zukommen würde.

Etwa zur gleichen Zeit kaufte auch die Firma HKW Heizungs-, Klima- und Wärmepumpentechnik ein Zwei-Familien-Haus in der Söhrestraße - und damit in unmittelbarer Nachbarschaft.

Offiziell wollte die Firma das Haus als Bürogebäude nutzen. "Aber das entpuppte sich schon bald als Handwerksbetrieb", sagt Jörg Zeiler. In der Doppelgarage und im Obergeschoss des Hauses habe die Firma Lagerräume eingerichtet, und jeden Tag hielten Lastwagen vor der Firma, berichtet er: "Morgens um halb fünf war es für uns mit der Nachtruhe vorbei." Auch andere Nachbarn hätten sich durch den Lieferverkehr gestört gefühlt.

Immer wieder, sagt Gerlinde Jakob, habe sie den Geschäftsführer der Firma darum gebeten, den Lärm zu reduzieren. "Dann wurde es zwar etwas besser aber immer nur für eine gewisse Zeit." 2011 stellte die Firma dann ein großes Solar-Paneel auf ihrem Garagendach auf. Diese, so schildert es Zeiler, habe einen riesigen Schatten auf ihren Garten geworfen.

Das gab den Ausschlag: Zeiler und Jakob erkundigten sich beim Bauamt des Schwalm-Eder-Kreises, welche Auflagen ein Unternehmen erfüllen muss, wenn es im Wohngebiet angesiedelt ist. "Da hieß es dann: "Ein Gewerbe HKW ist uns nicht bekannt", erinnert sich Jörg Zeiler.

Tatsächlich habe HKW beim Landkreis keine Genehmigung dafür eingeholt, ein Wohnhaus zum Bürogebäude umzuwandeln, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Winfried Becker auf HNA-Anfrage: "Formal ist eine solche Genehmigung erforderlich."

Es sei aber nicht ungewöhnlich, dass bei Büroräumen darauf verzichtet werde - da diese normalerweise auch niemanden stören. "Und wo kein Kläger, da kein Richter."

Erst im Frühjahr 2013 - nach der Beschwerde von Jörg Zeiler und Gerlinde Jakob - beantragte die Firma die Genehmigung dafür beim Landkreis. Diese wurde auch erteilt, doch dagegen legte Gerlinde Jakob Widerspruch ein. Der Landkreis ergänzte die Genehmigung daraufhin um Auflagen: Die Firma dürfe das Gebäude ausschließlich als Bürogebäude, nicht aber als Werkstatt, zur Anlieferung oder als Lager benutzen. Denn das Gebäude liege in einem allgemeinen Wohngebiet: "Die Anwohner dürfen durch den Betrieb nicht belästigt werden", stellt Winfried Becker klar.

Seitdem die Auflagen verhängt wurden, habe der Lieferverkehr abgenommen, berichten Jörg Zeiler und Gerlinde Jakob. Allerdings würden immer noch ab und zu Lastwagen vorfahren. Doch auch das könnte bald aufhören. Denn die Firma wird, wie berichtet, Ende des Jahres in den Industriepark Kassel umziehen.

Das sagt das Unternehmen:

Es sei richtig, dass die Gemeinde Körle der Firma HKW eine andere Fläche angeboten habe, sagte Michael Sarrazin, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. „Aber diese Fläche war zu dem Zeitpunkt noch nicht richtig erschlossen und wäre zu spät frei geworden.“ Man habe so schnell wie möglich nach einem neuen Standort gesucht – denn durch die Auflagen des Landkreises, die seit dem Frühjahr 2013 gelten, sei die Firma in ihrem Handeln „deutlich eingeschränkt“, erklärte Sarrazin. „Wir müssen jeden Tag damit rechnen, ein Bußgeld zahlen zu müssen.“ Die Auflagen besagen unter anderem, dass der Firmensitz im Wohngebiet nicht mehr von Lieferfahrzeugen angefahren werden darf. „Wir haben all unsere Lieferanten angeschrieben mit der Bitte, nur noch unser Lager am Ortseingang anzufahren“, sagte Sarrazin, „aber das klappt nicht immer.“

Die Firma HKW hat ihren Sitz in Körle seit der Gründung 1980, in die Söhrestraße sei man etwa zehn Jahre später gezogen, schätzt Sarrazin, der erst vor drei Jahren den Betrieb von Fred Pfeifferling übernommen hat. Er könne deshalb auch nichts dazu sagen, warum man sich vor 25 Jahren für den Standort im Wohngebiet entschieden habe. Es habe aber wohl diesbezüglich eine Absprache mit dem damaligen Bürgermeister Fritz Ochs, der inzwischen verstorben ist, gegeben, sagte Sarrazin. Man fühle sich in Körle wohl – aber logistisch sei der Standort in Kassel auf jeden Fall besser. Störend sei in Körle auch die räumliche Trennung zwischen dem Lager und der restlichen Firma gewesen – in Kassel wird nun ein neues Büro-, Lager- und Werkstattgebäude errichtet.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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