Unterschriften gegen den Turmbau

So könnte der Anbau aussehen: Hildegard Nitzsch und ihre Freundinnen wollen verhindern, dass das Hochzeitshaus einen Anbau erhält, falls es umgebaut werden sollte. Grafik: Roller Architekten Kassel

Fritzlar. Der geplante Umbau des Hochzeitshauses in Fritzlar sorgt für Wirbel. Grund dafür: Das Haus könnte einen Anbau bekommen.

In das zwölf Meter hohe Bauwerk sollen eine Treppe und ein Aufzug integriert werden, um so die Auflagen des Brandschutzes und der Barrierefreiheit zu erfüllen. Die Entscheidung darüber hat das Fritzlarer Parlament noch nicht getroffen. Damit es aber erst gar nicht dazu kommt, hat Hildegard Nitzsch aus Fritzlar gemeinsam mit Freundinnen eine Unterschriftenaktion gegen den Anbau gestartet.Die Reaktion darauf sei überwiegend gut und es hätten auch schon viele Leute unterschrieben, so ihr erstes Fazit.

„Diesen komischen Turm wollen wir in Fritzlar nicht. Das wäre eine Verschandelung unseres schönen Hochzeitshauses und der Altstadt“, sagt Nitzsch. Die 79-Jährige ist sicher, dass das viele Fritzlarer auch so sehen. Deshalb hat sie Unterschriftenlisten drucken lassen und die in Geschäften in der Stadt ausgelegt.

Die Politiker müssten erfahren, dass die Menschen in der Stadt gegen die Pläne seien und nach dem Willen der Mehrheit handeln. So wünscht es sich Nitzsch.

Mehr noch: Sie ist für eine Bürgerversammlung und für einen Bürgerentscheid. „Es kann doch nicht alles über unsere Köpfe hinweg entschieden werden.“ Auch wüssten längst noch nicht alle, was da von der Stadt geplant werde. „Für viele könnte es ein böses Erwachen geben, wenn sie vor vollendete Tatsachen gestellt werden“, so Nitzsch.

Das Hochzeitshaus stelle ein wichtiges Gebäude für die Stadtgeschichte dar. „Fritzlar hat schon vieles verloren und wir sollten jetzt nicht noch einen entscheidenden Bereich zerstören.“ Nitzschs Hoffnung: Bei der Stromtrasse Suedlink habe es auch geholfen, dass die Menschen auf die Straße gegangen seien. Auch für das Hochzeitshaus lohne es sich zu kämpfen, sagt sie.

Die Fritzlarerin kritisiert die Planung für einen Veranstaltungssaal im zweiten Stock des Gebäudes. Davon gebe es in Fritzlar genug. „Eigentlich brauchen wir für das Museum nur das Erdgeschoss und den ersten Stock“, so Nitzsch. Dann müsse diese obere Etage auch nicht unbedingt barrierefrei sein.

Überhaupt kann die Seniorin nicht glauben, dass der Turm die einzige Lösung sein soll, um das Gebäude barrierefrei umbauen zu können. „Es gibt viele Museen in alten Gebäuden, wie haben das denn andere Städte gelöst?“

Eine Antwort darauf erhofft sie sich von Bürgermeister Hartmut Spogat und der Fritzlarer Stadtpolitik. Ein Turm am Hochzeitshaus sei jedenfalls keine Lösung - dafür kämpft die 79-Jährige. • Die Unterschriftenlisten gegen den möglichen Bau eines Turmes an das Hochzeitshaus liegen noch diese Woche in Geschäften in der Fritzlarer Altstadt aus.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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