Sechs Straßen, 94 Einwohner

Verliebt in den Ort an der Bundesstraße: Mit der HNA unterwegs durch Lützelwig

Lützelwig. Eike Lucas hat sich vor fünf Jahren in ein Haus in Lützelwig verliebt und lebt seitdem im sanierten Fachwerk mit schönem Garten: Dass sie mal aufs Dorf ziehen würde, hätte die ehemalige Hombergerin nicht gedacht.

Doch für sie stimmt einfach alles in Lützelwig - für die 93 anderen Bewohner des Ortes trifft das wohl auch zu. Dabei kennen die meisten Lützelwig nur als den Ort, der durch die B254 geteilt wird.

„Es wohnen nur 18 Menschen im Oberdorf, also auf der Seite mit der Tankstelle“, sagt Ortsvorsteher Alexander Seib, der die HNA auf dem Rundgang durch den Ort begleitet. Er gehört dazu und ist einer der wenigen jungen Leute, die im Dorf geblieben sind und sich engagieren. Das findet Friedrich Löwer gut, er war lange Zeit Ortsvorsteher und macht mit bei der Organisation der 825-Jahr Feier des Dorfes, die dieses Wochenende ansteht. Er hat beim Rundgang am meisten zu erzählen.

Der ehemalige Landwirt kennt sich aus. Er weiß wie es im Ort noch vor 50 Jahren war, als es zwei Kneipen gab und 53 Menschen von der Landwirtschaft lebten. Als Stellmacher und Weißbinder sowie ein Schmied das Bild prägten. Damals hatte Lützelwig noch 300 Einwohner.

Heute gibt es eine Tankstelle an der Bundesstraße, einen Dachdecker, einen Gartenbau-Betrieb und einen Landwirt im Vollerwerb - mit Hofladen.

Derzeit gibt es Kartoffeln und Tomaten, steht mit Kreide geschrieben auf einer Tafel in dessen Hof. Der Laden ist heute nicht geöffnet, ein Hund begrüßt die Gruppe freudig. Auch das kleine Keramik-Café von Annegret Petersohn hat geschlossen. Das habe sie kürzlich aufgegeben, erzählt sie, aber am Wochenende zum Fest will sie es öffnen. Mit Ehemann Heinz räumt sich gerade auf. Sie bedauert es, dass sie den Laden schließen musste. Sie hatte sich mehr Zuspruch erhofft.

Viele Jahre weiter zurück geht es auf der anderen Straßenseite, dort gibt es einen historischen Bauernhof - mittlerweile verlassen. Das historische Gelände mit dem riesigen Hof ist der Geburtsort des Dorfes. Dort wohnte früher ein Teil der Adelsfamilie von Dalwigk, die im Ort einst ein Lehen betrieb. Ihre Nachfahren haben in der Kirche Grabsteine hinterlassen. Beeindruckend der Sternenhimmel an der Decke des Gotteshauses: kleine gelbe Sternchen auf blauen Grund. „Einzigartig“, wie Seib erzählt.

Auf dem Weg begegnet uns Marko Dierich, der seinem Onkel Helmut Korell beim Ausbessern der Hausfassade hilft. Eine kleine Herde Schafe begrüßt uns mit einem lauten „Määäh“, und es geht am Bauerngarten mitten im Ort vorbei. „Der schönste Garten Lützelwigs“, sagen die Bewohner. Dicke Astern hocken neben Geranien, Rosen strotzen nur so vor Rot - alles blüht und verbreitet Lebensfreude an diesem Spätsommerabend. Währenddessen rollen in der Nähe immer wieder die Autos über die Bundesstraße. Der prächtige Garten scheint mit seiner Blüte diesem Geschehen zu trotzen - so, wie die Lützelwiger, die sich längst an die Straße gewöhnt haben.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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