Modernisierung des Regionalmuseums

Maskottchen wirbt für Geopark

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Das Maskottchen für die Geopark-Region Wolfhager Land: Das Wolfhager Ur-Handtier im Miniformat präsentieren (von links) die Leiterin des Regionalmuseums Wolfhager Land, Beate Bickel, Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake, Geologe und Entdecker der 250 Millionen Jahre alten Fährten, Dr. Reiner Kunz, der Projektleiter des Nationalen Geoparks Grenzwelten, Norbert Panek, und Paläontologe und Mitentdecker Dr. Jürgen Fichter.

Wolfhagen. Die Spuren, die die Geologen Dr. Reiner Kunz und Dr. Jürgen Fichter im Jahr 1999 im Wolfhager Stadtwald entdeckt haben und die in der Fachwelt für eine Sensation sorgten, sollen nun vermarktet werden. Diesen Job übernimmt ab sofort ein Maskottchen.

Es stellt das Ur-Handtier (Protochirotherium wolfhagense) dar, das vor 250 Millionen Jahren seine Spuren in der Region hinterlassen hat.

2000 Kunststoffmodelle vom urtümlichen Wesen haben die Stadt Wolfhagen, der Landkreis Kassel und der Nationale Geopark Grenzwelten Korbach anfertigen lassen. 12 000 Euro haben sich die Partner die Anschaffung kosten lassen, der Verkaufspreis liegt bei zehn Euro. Der Gewinn soll ins Regionalmuseum Wolfhager Land zurückfließen. Deren Leiterin Beate Bickel möchte die Abteilung, die sich mit Erdgeschichte und Geologie befasst, modernisieren. Auch ein größeres Modell des Ur-Handtieres soll dann als Anschauungsobjekt aufgestellt werden.

Von den im Stadtwald und bei Ippinghausen entdeckten Fährtenspuren schlossen Kunz und Fichter auf das etwaige Aussehen des Ur-Handtieres. Dabei stützten sie sich auf die Länge der Schritte, die Abdrucktiefe und die Stellung von Händen und Füßen. Zudem orientierten sie sich an Skelettfunden von Archosauriern aus anderen Regionen (z.B. Südafrika). Gemeinsam mit dem Modellbauer Martin Kroniger aus dem niedersächsischen Loccum entwickelten sie mit viel Akribie ein wirklichkeitsnahes Modell des Urzeittieres. „Wir wissen natürlich nicht, ob das Ur-Handtier tatsächlich grün war, Streifen oder Punkte hatte“, sagt Kunz.

Das Ur-Handtier ist entwicklungsgeschichtlich älter als die Dinosaurier. Es ist verwandt mit den heutigen Krokodilen und Vögeln. Die Herrscherechse war ein Raubtier, sie erreichte eine Körperlänge von mehr als zwei Metern.

Mittlerweile zählt der Steinbruch bei Wolfhagen zu den weltweit bedeutendsten Fährten-Fundstellen der Untertrias (vor 250 Millionen Jahren). Neun verschiedene Gattungen wurden dort anhand von Fährtenspuren nachgewiesen. „Wir haben dort ein großes Spektrum der Landwirbeltiere“, sagt Dr. Reiner Kunz. Unter anderem müssen in der Region zwei andere Handtierarten, Amphibien und echsenartige Reptilien gelebt haben.

Die Spuren reichen zurück in eine Zeit, in der es sehr heiß war. Das Klima im Wolfhager Land war vergleichbar mit dem im heutigen Senegal. Zudem gab es starke Monsunregen. Die Tiere wanderten über die Überflutungsebenen und hinterließen Abdrücke, die sich verfestigten. Eine neue Sedimentfracht konservierte die Fährten. Jüngere geologische Prozesse und der Abbau im Steinbruch förderten die Spuren wieder zu Tage.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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