Interessent sprang kurzfristig ab

Varieté steht weiter leer

Jutta Schröder

Fritzlar. Die Türen des Fritzlarer Varietés Scala bleiben verschlossen. Verhandlungen mit einem Interessenten aus Kassel seien gescheitert, sagte die frühere Scala-Chefin Jutta Schröder auf Anfrage der HNA.

Vor ziemlich genau einem Jahr war der letzte Vorhang im Scala gefallen. Seitdem lief die Suche nach neuen Betreibern mit einem neuen Modell. Die ehemaligen Betreiber Jutta Schröder und Merten Wagnitz hätten gerne mitgearbeitet und sich beispielsweise weiter um die Buchung der Künstler gekümmert, doch ein Nachmieter oder gar ein Käufer ist bis heute nicht gefunden.

Ein Interessent aus Kassel habe im Scala einen Club einrichten wollen. Dort hätten auch kulturelle Veranstaltungen über die Bühne gehen können. Technisch sei das machbar, der Vorhang und die Traverse, an der Luftakrobaten arbeiten können, seien noch vorhanden. Der potenzielle Betreiber habe mit mehr als 200 Gästen geplant, sagt Schröder, und genau das sei dann zum Problem geworden.

Ab dieser Zahl seien die Brandschutzbestimmungen wesentlich schärfer, offenbar habe das der Interessent nicht rechtzeitig bedacht und schließlich einen Rückzieher gemacht, erläutert Schröder.

Nun steht das Scala immer noch leer. Die Miete, so sagt Schröder, liege vergleichsweise niedrig, und wenn man das Dach isoliere, würden die Nebenkosten deutlich sinken.

Aus nach zehn Jahren

Schröder und Wagnitz hatten nach zehn Jahren im April das Varieté geschlossen. Sie selbst hatten seinerzeit das frühere Kino umgebaut und den historischen Saal aus der Gründerzeit zum Varieté umgestaltet. Mindestens 1000 verschiedene Künstler, Artisten, Komiker, Kabarettisten und Musiker standen in der Zeit auf der Bühne. Doch die Arbeit war schwierig für ein Varieté in einer Kleinstadt, sagte Schröder damals. Das Ehepaar kümmerte sich um Buchführung, Marketing, Gastronomie, das Engagement der Künstler und vieles mehr. Freizeit sei keine mehr geblieben, und Geld für später habe sie auch nicht zurücklegen können.

Schröder und Wagnitz sind in Fritzlar geblieben. Merten Wagnitz ist als Veranstaltungstechniker viel im Einsatz, seine Frau unterrichtet im Kasseler Kindercircus Rambazotti Akrobatik und will demnächst auch im TuS Fritzlar Kurse anbieten.

„Ich genieße das Leben“, sagt sie. Noch mehr würde sie das sicher tun, wenn das Scala-Varieté in Fritzlar Auferstehung feiern könnte.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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