Vortragsreihe über Medienerziehung und den Umgang mit dem Internet

Verbote allein sind keine Lösung

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Mit Kenntnis sicher im Internet unterwegs: Die Medienpädagogen Dr. Angelika Beranek (vorne rechts) und Peter Holnick (hinten links) halten zurzeit Vorträge an Schulen im Schwalm-Eder-Kreis. An der Organisation der Veranstaltungen beteiligt sind Sandra Bischoff, Referentin für Medienkompetenz von der LPR, und Markus Brettschneider, Jugendkoordinator bei der Polizeidirektion Schwalm-Eder.

Schwalm-Eder. Kinder und Jugendliche bewegen sich ganz selbstverständlich im Internet, können aber die Risiken nicht einschätzen. Und die Eltern haben oft keine Ahnung, was ihre Sprösslinge im „world wide web“ treiben.

Hier setzt eine Vortragsreihe an, die von Polizei, Jugendamt und von der Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR) angeboten wird.

Die beiden Medienpädagogen Dr. Angelika Beranek und Peter Holnick sind an vier Schulen im Landkreis unterwegs. Unter dem Titel „Wo leben die denn?“ richten sie sich an Eltern und Pädagogen und referieren über Möglichkeiten, aber auch Tücken und Gefahren es Internets.

300 Nachrichten pro Tag

Durch mobile Geräte und einen stetigen Ausbau des Netzes seien viele Heranwachsende rund um die Uhr online. Facebook und WhatsApp seien nach wie vor die bevorzugten sozialen Plattformen, über die sich Jugendliche austauschen, erklärten die beiden Medienpädagogen. Zwischen 200 und 300 Nachrichten, die täglich zwischen Jugendlichen verschickt werden, seien da keine Seltenheit.

Aber die Technik berge auch Gefahren und Probleme, auf die man die Kinder aufmerksam machen müsse. Ein gewisser Grad an Kenntnis über die neuen Medien sei daher auch für Erwachsene unverzichtbar, denn wie so vieles im Leben, müssten die Kinder auch den richtigen Umgang mit Internet und Co. zunächst lernen.

Die Kinder möglichst lange von Internet und Handy fern zu halten, sei nicht der richtige Weg. Man müsse ihnen helfen, Medienkompetenz und Urteilsvermögen zu entwickeln und ihnen zeigen, wie sie Medien sinnvoll nutzen können. Und das bereits in jungen Jahren, denn genau da setzte auch die Industrie an, um möglichst früh auf Kinder Einfluss zu nehmen.

Flucht in die virtuelle Welt

Schließlich helfe die heutige Gesellschaft kräftig nach, dass sich Kinder und Jugendliche in eine virtuelle Welt flüchten, erklärten die Medienpädagogen. Viel zu häufig existieren Warnungen und Verbote, die die „Abenteuer“ der Realität verschwinden lassen. Das beginne bereits mit dem morgendlichen Schulweg, der nicht mehr zu Fuß, sondern mit dem Auto der Eltern zurückgelegt werde, Rennverboten auf dem Schulhof und Einschränkungen bei den Freizeitbeschäftigungen.

Eine übertriebene Sicherheit habe sich eingeschlichen, so dass sich Kinder und Jugendliche häufig in die virtuelle Welt zurückziehen, um etwas zu erleben, auch mal eine Dummheit zu machen und sich auszuprobieren.

„Mediennutzung ist gut“, betont Peter Holnick, Geschäftsführer des Instituts für Medienpädagogik und Kommunikation daher. Sie biete die Möglichkeit, die Welt zu verstehen, zu lernen sich auszudrücken und selbstbewusst zu kommunizieren – wenn man wisse, wie es richtig geht.

Bildung sei demnach die beste Prävention. Wenn Kinder wissen, wie neue Medien funktionieren, was dahinter steckt und beurteilen können, was gut ist und was nicht, dann bestehe kein Grund zur Sorge.

Weitere Termine:

• Dienstag, 25. März, Gesamtschule Melsungen

• Dienstag, 1. April, Carl-Bantzer-Schule, Schwalmstadt

Informationen: veranstaltung@lpr-hessen.de

Quelle: HNA

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