Verdi-Aktion gegen Niedriglohn bei Scherm-Logistik

Informationen im Vorbeigehen: Die Gewerkschafter sprachen beim Schichtwechsel vor dem Logistikdienstleister Scherm in Borken die Mitarbeiter an und prangerten zu niedrige Löhne an, obwohl das der Sozialcharta von VW/Original-Teile-Center widerspreche. Foto: Zerhau

Schwalm-Eder. Gegen Niedriglöhne bei Speditionen engagiert sich die Gewerkschaft Verdi. Gestern startete sie eine Protestaktion vor den Toren der Firma Scherm in Borken. Hintergrund ist die Sozialcharta von Volkswagen, die Geschäftspartner von VW auf den Tariflohn verpflichtet.

Scherm lagert und transportiert Teile für das Originalteile-Center von VW (OTC). Laut Gewerkschaftssekretär Manuel Sauer zahlt die Firma deutlich weniger als den Tariflohn. Während der Tarif 10,40 Euro (brutto) vorschreibt, würden beim Logistiker in Borken oft nur acht Euro gezahlt.

Viele Mitarbeiter müssten zusätzliche Hilfsleistungen, etwas Wohngeld, beantragen, um über die Runden zu kommen, sagt Sauer. Während ein tariflich gebundener Arbeiter im Lager 1810 Euro im Monat bekommen, seien es bei Scherm für einfache Arbeiter oft zwischen 1300 und 1400 Euro. „Die Menschen können schlecht davon leben“, ist Sauers Fazit.

„Große Tüten, kleine Löhne“, heißt die Aktion der Gewerkschaft. In Borken wurden Tüten mit Informationen zur Lohnproblematik an Scherm-Mitarbeiter verteilt.

Das Problem sei nicht alleine eine Firma, erklärt der Gewerkschafter: „Die Konkurrenz ist knallhart.“ Da rund 70 Prozent der Kosten für einen Logistikbetrieb im Personalbereich anfalle, werde dort auch häufig gespart. Wie Sauer erläuterte, müsste der Logistiker pro Beschäftigtem bei Tariflohn etwa 400 Euro im Monat mehr zahlen - das wären im Jahr etwa 1,58 Millionen Euro zusätzlich. Das würde für rote Zahlen sorgen, wenn VW nicht mehr drauflegt.

VW hatte Anfang der Woche in der HNA verlauten lassen, der Konzern werde das Gespräch mit den betroffenen Unternehmen suchen. Die Standards von VW müssten auch eingehalten werden. Sollte es zu keiner Einigung kommen, könnten Verträge auch gekündigt werden, hieß es vom Automobilhersteller.

Die Firma Scherm wollte sich gestern auf HNA-Anfrage nicht zu dem Thema äußern. Die Geschäftsleitung hängte allerdings alle Fahnen ab und ließ das Firmenlogo verdecken, als sie hörte, dass Journalisten über die Aktion berichten werden.

Quelle: HNA

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