1941 erbaut 

Lok HC 206: Verein Hessencourrier feiert 75. Geburtstag 

Naumburg/Kassel. Zum Auftakt ihrer dreitägigen Geburtstagssause zischt und dampft die stählerne Lady, als wolle sie sagen: Was sind schon 75 Jahre? 

 

Der 1941 erbauten Dampflok HC 206, Zugpferd des Hessencourriers, ist die Puste noch längst nicht ausgegangen. Ganz im Gegenteil, und das beweist sie am Freitagabend an ihrem Heimatbahnhof in Kassel-Wilhelmshöhe.

Auf Hochglanz poliert und mit Girlanden heraus geputzt, empfängt sie ihre Gästeschar mit mächtigen Dampfsäulen, die sie in den Kasseler Abendhimmel bläst. Sie hat es sich auf ihrem Gleis gemütlich gemacht, heute nämlich muss sie die historischen Bahnwaggons des Museumszuges nicht mehr bewegen - nur einer ist angekoppelt, und der dient ausnahmsweise als Bühne. 

„Eine besonders schöne Bühne“, stellt Timo Israng alias Dark Vatter fest, als er in die Saiten haut und mit „sinner Combo“ dem Geburtstagskind ein Ständchen spielt. Niemand könnte das besser als der Kasseler Mundartrocker, der dem Hessencourrier mit gleichnamigem Song längst ein musikalisches Denkmal gesetzt hat.

Der „Sechser“, wie die Lok von Eisenbahnfreunden auch liebevoll genannt wird, gefällt es so gut, dass sie kurzerhand einstimmt und neben mächtig Dampf auch ein juchzendes Pfeifen zur inoffiziellen Hymne beisteuert. „Alle an Bord?“, fragt Dark Vatter da und hat vielleicht schon den nächsten Tag im Sinn, an dem das nostalgische Schätzchen zur Geburtstagsfahrt gen Naumburg aufbrechen soll.

An Bord sind am Samstag dann viele Passagiere, aber längst nicht alle, die dabei sein wollten. Restlos ausverkauft setzt sich der Museumszug am Mittag mit markerschütterndem Signal und jeder Menge Rauch in Bewegung. Eisenbahnromantiker aus nah und fern, darunter viele Familien, begeben sich auf eine unvergessliche Reise durch die Kasseler Berge. Da werden gestandene Männer wieder zu kleinen Jungen, wenn sie ihre Köpfe durch die runter gezogenen Fenster raus in den Fahrtwind strecken und den Duft des Dampfes einatmen, der so eindringlich an alte Zeiten erinnert.

Mit an Bord sind auch die Mitglieder des Schreckschusstheaters, die - anders als Kollege Dark Vatter - nicht nur einen einzigen Wagen, sondern mit Hits wie „Ich will ‘nen Cowboy als Mann“ oder „Bossa Nova“ den kompletten Zug in eine rollende Showbühne verwandeln. 

Dass sie das im mobilen Museum tun können, haben sie dem Team des Hessencourrier-Vereins zu verdanken, das jede Menge Freizeit investiert, um alles in Schuss zu halten. Lohn für so viel ehrenamtliches Engagement sind dann Fahrten wie diese, bei denen der Nostalgiefunke auf die Fahrgäste überspringt und die Zeit irgendwie still zu stehen scheint.

Die nächste Fahrt

Die Dampflok HC 206 wurde als letzte von sechs baugleichen Lokomotiven im Jahr 1970 von der Kleinbahn Kassel - Naumburg ausgemustert. Noch im gleichen Jahr wurde sie von der Stadt Naumburg gekauft und thronte fortan als Denkmal vor dem Bahnhof der nordhessischen Kleinstadt.

1983 hoben nach wochenlangen Vorarbeiten zwei Autokräne die Lokomotive auf die Gleise, bevor sie von Mitgliedern des Hessencourriervereins wieder betriebsfähig aufgearbeitet und im August 1985 auf den Namen „Naumburg“ getauft wurde. Seitdem hat die „Sechser“, wie sie im Verein genannt wird, den Museumszug befördert.

Die nächste Fahrt ist am Sonntag, 12. Juni, zum Bahnhofsfest Naumburg. Tickets: fahrkarten@hessencourrier.de. 

Party zum 75. Geburtstag der Lok HC 206 des Hessencourrier

Quelle: HNA

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