Vergessene Welten: Verein spielt Leben im Mittelalter mit Rollenspielen nach

Lebendige Geschichte: Der Verein Vergessene Welten aus Fritzlar spielt Fakten aus der Historie so lebensnah wie möglich nach.

Fritzlar. Schwerter krachen aufeinander, und zwei Gruppen stehen sich grimmig gegenüber. Gekleidet sind sie in mittelalterliche Trachten, Familienwappen zieren ihre Schilder. Der Verein Vergessene Welten aus Fritzlar schafft es, Fakten zur Geschichte zu vermitteln und die Epoche lebendig werden zu lassen:

„Der Grundgedanke dabei war es, das Mittelalter aufleben zu lassen und sich besser vorstellen zu können, wie die Menschen dort gelebt haben“, erzählt Daniel Schaak, der Vorsitzende des Vereins. Die 66 Fans von Fantasy und erlebter Geschichte veranstalten jährlich zwei Rollenspiele. „Diese Live-Action-Role-Plays zeichnen sich dadurch aus, dass Vereinsmitglieder und externe Laien ein Wochenende zusammen ein zuvor geschriebenes Drehbuch nachspielen. Wir geben ein paar Handlungsstränge der Geschichte vor, die die Charaktere durch ihre Handlungen aber aktiv beeinflussen. Die Spielemacher müssen darauf dann reagieren“, so Schaak. Das Rollenspiel sei also ein Improvisationstheater.

Hauptarbeit für solch ein Ereignis sei die Vorbereitung. Für vier Tage Rollenspiel sei ein halbes Jahr Vorlaufzeit geplant. Die gespielte Geschichte wird bereits seit zehn Jahren kontinuierlich weitergeschrieben.

Ein ziemlich seltsames Hobby, sich zu verkleiden und seine Fantasie spielen zu lassen, oder? „Am Anfang ging ich auch davon aus, dass die Vereinsmitglieder irgendwie komisch sind, aber wir sind so nah an historischen Fakten angelehnt, dass wir lebendige Geschichte anbieten und selbst noch etwas lernen“, sagt Schaak lachend.

Seine Frau habe ihn zum Verein gebracht. Die Mitglieder bieten so ein „Low-Fantasy-Event“ an. Dabei gibt es keine erfundenen Wesen, sondern nur solche, die in der Literatur und Geschichte selbst auftauchen. Das mittelalterliche Weltbild stellt der Verein zum Beispiel durch das Schwertschmieden, die Kleidung und das Wollspinnen der damaligen Zeit dar. „Ich bin seit drei Jahren dabei. Meine Motivation ist, dass ich unglaublich gerne organisiere“, sagt Schaak.

Auch Thomas Fischer, der für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins zuständig ist, ist mit Herzblut dabei: „Ich habe Spaß an der Natur und daran, mich in verschiedenen Rollen auszuprobieren, im wirklichen Leben ist dies nicht ohne Weiteres möglich.“ Man könne der Realität entfliehen und auch mal nicht erreichbar sein.

Die Kleidung und die Ausstattung, mit dem sofort 100 Menschen komplett eingekleidet werden könnten, finanziert der Verein mit den Rollenspielwochenenden. Außerdem ist er auf Mittelaltermärkten vertreten. Für die Zukunft wird eine engere Verknüpfung mit der Fritzlarer Geschichte angestrebt, um noch mehr Menschen auf die interessanten Aspekte der Vergangenheit aufmerksam zu machen. Kontakt: www.vergessenewelten.de oder bei Daniel Schaak, Tel. 05622/4054921.

Von Leona Nieswandt

Quelle: HNA

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