Er wird gezwungen, seinen jetzigen Unterschlupf aufzugeben

Verzweifelte Wohnungssuche: Felsberger steht kurz vor der Obdachlosigkeit

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Zumindest ein Dach über dem Kopf: In diesem Zimmer in einem Haus in Altenbrunslar hat Manfred Siebert jahrelang gewohnt. Doch jetzt wird ihm selbst zu diesem notdürftigen Unterschlupf der Zutritt verwehrt.

Felsberg. Manfred Siebert steht kurz vor der Obdachlosigkeit. Wenn nicht schnell eine Wohnung für den 61-Jährigen gefunden wird, sitzt er ab Samstag auf der Straße.

Jahrelang hat Siebert ein Zimmer in einem ansonsten leerstehenden Haus im Felsberger Stadtteil Altenbrunslar bewohnt. Die frühere Eigentümerin hatte das Gebäude aufgegeben.

Eine verdreckte Matratze auf dem Boden, Schimmel an den Wänden, das Bad ein dreckiges Loch - so sah die Unterkunft von Siebert aus. „Ich lebe wie ein Obdachloser“ - so beschrieb er es gegenüber der HNA.

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Doch jetzt ist ihm auch diese bescheidene Bleibe genommen worden. Denn das Haus hat einen neuen Eigentümer, der Siebert als Bewohner nicht mehr dulden will.

Er sei seit 30 Jahren arbeitslos, berichtet Siebert. Er lebt von 310 Euro Grundsicherung im Monat. Einen Beruf ausüben kann er wegen psychischer Probleme nicht mehr. Siebert hat einen Schwerbehindertenausweis. „Ich bin unheilbar krank, mir kann kein Arzt helfen“, sagt er. Deshalb kümmert sich ein vom Gericht bestellter Betreuer um Sieberts Angelegenheiten: Dieter Grün aus Melsungen bemüht sich seit anderthalb Jahren um eine Sozialwohnung für Siebert - ohne Erfolg. „Das Sozialamt würde die Miete übernehmen.“ Das Problem sei ein anderes, sagt Grün: „Man will ihm einfach keine Wohnung geben.“

Erfolglose Suche

Grün schildert, wie er sich auf eine Anzeige hin für Manfred Siebert um eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Felsberg bewarb. Doch die zuständige Mitarbeiterin der Stadt habe ihm gesagt, man wolle für diese Wohnung einen „ruhigen Mieter“. Auf Anfrage der HNA erklärte die Mitarbeiterin der Stadt, die Wohnstadt als Eingentümerin der Wohnung könne entscheiden, wen sie als Mieter annehme. Die Wohnstadt wiederum erteilt die Auskunft, dass für die Vergabe von Sozialwohnungen ausschließlich die Kommunen zuständig seien. Die erfolglose Suche frustriert Grün: „Man will Menschen helfen und kriegt null Unterstützung.“

Angehörige, die sich um ihn kümmern könnten, habe Siebert nicht, sagt sein Betreuer. Zu seiner Schwester, die in Norddeutschland lebe, habe Siebert keinen Kontakt.

Derzeit hat Manfred Siebert noch ein Dach über dem Kopf: Er sitzt im Gefängnis. Wegen Schwarzfahrens war er zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Weil er diese nicht bezahlen konnte, musste er eine Ersatzfreiheitsstrafe verbüßen. „In Altenbrunslar gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten“, sagt Dieter Grün. Siebert habe mit dem Zug fahren müssen, um einen Lebensmittelmarkt zu erreichen. Doch er habe kein Geld für die Fahrkarte übrig gehabt.

Am Samstag wird Siebert aus dem Gefängnis entlassen - und dann sitzt er auf der Straße. Wenn sich nicht doch endlich eine Wohnung für ihn findet.

Das sagt der Bürgermeister

Obdachlose haben grundsätzlich einen Anspruch auf Unterbringung. In der Regel sind die Kommunen verpflichtet, eine Unterbringung bereitzustellen. Die Stadt suche derzeit nach einer Notunterkunft für Manfred Siebert, sagt Felsbergs Bürgermeister Volker Steinmetz. Eine Notunterkunft müsse nicht unbedingt eine vollwertige Wohnung sein - es müsse einen Schlafplatz, eine Toilette und eine Kochmöglichkeit geben. „Wir prüfen leerstehende Wohnungen und Häuser - in Felsberg und außerhalb des Stadtgebiets“, sagt Steinmetz. Notfalls müsse die Stadt etwas anmieten. „Wenn alle Stricke reißen, greifen wir auf kommunale Gebäude zurück.“ Dass die frühere Unterkunft von Siebert nicht menschenwürdig war, räumt Steinmetz ein. Aber: Als Siebert noch das Zimmer in Altenbrunslar bewohnte, war er formal nicht obdachlos, erklärt Steinmetz. „Wir dürfen aber erst handeln, wenn eine formelle Wohnungslosigkeit entsteht. Dann sind wir verpflichtet, eine Unterkunft zu suchen.“

Quelle: HNA

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