Wohnen an der B3

Verkehr ohne Ruhepause: Anwohner in Kerstenhausen fordern Bau der A49

Kerstenhausen. Einmal kostenlos im Gasthof übernachten, Frühstück inklusive – dieses Angebot macht Claudia Weinhausen aus Kerstenhausen einer ganz speziellen Gruppe: Gegnern der Autobahn 49. Besonders Grünen-Politiker seien im Gasthof zur Sonne willkommen, sagt sie.

Ihr Ziel ist klar: Sie möchte, dass die Autobahngegner einmal persönlich erleben, wie es ist, an der B3 zu wohnen, wo tagein, tagaus der Verkehr vorbei rauscht.

Der Ärger bei Weinhausen und anderen Kerstenhäusern ist groß. In der Diskussion, in der die Grünen sich gegen den Weiterbau ausgesprochen hatten, wollen sie gehört werden.

Mütter und Kinder in Kerstenhausen haben die Nase voll vom Lärm: Sie fordern den Weiterbau der A 49, vorne auf dem Bild von links Leon Finn Groß, Marie Südmeyer, Ida Beckmann und Finja Nuhn.

Jetzt haben sich Mütter und ihre Kinder versammelt, um ihr Anliegen deutlich zu machen. An die 20 Kinder würden direkt an der Straße wohnen, schätzen die Mütter. „Viele resignieren schon, aber wir geben nicht auf“, sagt Claudia Weinhausen. Christa Debus-Beckmann ist 58 Jahre alt und sagt: „Ich wohne schon mein ganzes Leben an der B3.“ Und immer wieder habe es geheißen, nun passiere endlich etwas; die Autobahn werde gebaut, die Straße werde beruhigt – und was auch immer. In den vergangenen zehn Jahren habe der Verkehr weiter zugenommen, glaubt sie. Wenn Debus-Beckmann heute mit ihrer Enkelin Ida die Straße überquert, muss sie lange warten. Verkehrserziehung in Kerstenhausen bestehe vor allem aus dem Wort „Schnell!“, sagt sie.

Gemütlich grillen geht nicht

Um ihre Kinder haben viele Kerstenhäuser Angst. Weinhausens haben auf ihrem Grundstück eine kleine Spielzone eingezäunt. Angelika Wilhelm erinnert sich noch, wie sie als Jugendliche von Großenenglis aus, wo sie wohnte, zur Stockelache fuhr. Von Kerstenhausen aus wäre so etwas heute viel zu gefährlich, glaubt sie. Entspannt im Garten sitzen und grillen, bei offenem Fenster schlafen, Kinder draußen spielen lassen – all das gehe nicht, sagen die Mütter. Von der Idee, mit einer Ortsumgehung für mehr Ruhe zu sorgen, hält Claudia Weinhausen nichts. Die einzige Lösung sei die Autobahn.

Ein Weiterbau würde es zudem Berufstätigen erlauben, leichter im Raum Marburg zu arbeiten, so Martina Rohrbach. „Man muss die Menschen sehen, nicht nur die Natur“, sagt Weinhausen. Davon würde sie die Gegner gerne überzeugen, bei einer Übernachtung in ihrem Gasthof.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Foto: Dellit

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