Polizisten hatten viel zu tun

Wolfhager Verkehrsteilnehmer beim Blitz-Marathon verständnisvoll

Wolfhager Land. Die Wolfhager Verkehrsteilnehmer waren beim Blitz-Marathon verständnisvoll.

Michael Dobrick hat gerade einmal fünf Minuten seine Position am Pendlerparkplatz an der Bundesstraße 251 bezogen, da muss der Polizeioberkommissar schon die Kelle schwingen.

„Ein alter Golf, 89 km/h“, rattert es aus seinem Funkgerät. Die Kollegen, die seit 13 Uhr einige hundert Meter weiter von einer Brücke bei Istha aus per Laserpistole die Geschwindigkeit vorbeirauschender Fahrzeuge messen, haben in der 70er-Zone ihren ersten Treffer gelandet.

Kaum ist der Funkspruch durch, rollt der Temposünder heran und folgt Dobricks rotem Stoppsignal, fährt auf den Parkplatz, wo bereits die Kollegen der Wolfhager Polizeistation warten. „Lesen Sie denn keine Zeitung?“, ruft einer der älteren Dame zu, die aufgeregt in ihrer Tasche wühlt und den Führerschein sucht.

Zielt mit der Laserpistole auf Temposünder: Stefan Kulschmidt.

Tatsächlich hätte sie sich die nun folgende Kontrolle samt 20 Euro Strafe sparen können, ist die Geschwindigkeitsmessung doch Teil des breit angekündigten und am Donnerstag in vielen europäischen Ländern zeitgleich statfindenden Blitz-Marathons. „Na klar wusste ich davon, eingefallen ist es mir aber erst wieder, als ich die Polizisten auf der Brücke gesehen habe“, sagt sie, sieht ihren Fehler ein und zahlt bereitwillig das Ordnungsgeld. Sie findet sogar gut, dass die Polizei solche Aktionstage veranstaltet, dass sie viel bringen, glaubt sie allerdings nicht.

Das sieht Matthias Mänz von der Polizeipressestelle anders: „Selbst wenn die Verkehrsteilnehmer aufgrund der Ankündigungen nur heute langsamer fahren, so schaffen wir zumindest aus unserer Sicht ein Bewusstsein für die gefahrene Geschwindigkeit.“ Das sei ungemein wichtig, denn „überhöhte Geschwindigkeit war im Landkreis Kassel im vergangenen Jahr die häufigste Unfallursache, oftmals mit fatalem Ausgang“.

„Wir wollen einzig und allein die Verkehrssicherheit erhöhen.“ 

Deshalb liege es ihm und seinen Kollegen am Herzen, die Geschwindigkeit auf den Straßen nachhaltig zu senken, denn die könne zu schweren Unfällen führen. „Es geht uns nicht darum, den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, wir wollen einzig und allein die Verkehrssicherheit erhöhen“, begründet Mänz die Tatsache, dass die Orte der Tempomessungen im Vorfeld angekündigt werden.

Der Golffahrerin, die als erstes in die Kontrolle an der B252 gekommen ist, hat das nichts gebracht. „Ich war zu schnell, was soll’s, das letzte Mal bin ich vor rund 30 Jahren erwischt worden“, sagt sie, winkt den Polizisten nochmal freundlich zu und rollt vom Parkplatz - jetzt deutlich langsamer als zuvor. (zhf)

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Sascha Hoffmann

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