Etwa 70 Zuhörer erschienen zur Infoveranstaltung über die Höchstspannungstrasse

Auf verlorenem Posten

Viele Stühle blieben leer: Es diskutierten von links Ingo Rennert, Detlef Schwierzeck, Thomas Wagner und als Moderator Dr. Gerold Kreuter. Fotos:  Quehl

Schwalmstadt. „Starke Bedenken“ gegen eine Hochspannungstrasse am Rande des Schützenwaldes hat die Stadt Schwalmstadt. Das machte Erster Stadtrat Schwierzeck zu Beginn der Infoveranstaltung am Dienstag in der Kulturhalle klar. „Viele befürchten eine bürger- und naturschutzferne Planung“, sagte Schwierzeck, und das wäre, wie man gut zwei Stunden später erfahren haben sollte, auch ein gutes Schlusswort gewesen.

Denn die Sorgen der Zuhörer wurden durch die Ausführungen von Thomas Wagner, Öffentlichkeitsreferent des niederländischen Unternehmens Tennet, nur bestärkt. Zwar versicherte der gebetsmühlenartig, dass die Öffentlichkeit beteiligt werde – nur wie das praktisch geschehen könnte, blieb höchst unklar. Außerdem widersprach er sich selbst: „Raumwiderstand“ durch natürliche Gegebenheiten wie Naturschutzgebiete und Vorbelastungen wie Altstromtrassen und Fernstraßen seien die bestimmenden Faktoren für die Trassenziehung. Und: Der Gesetzgeber schreibe den Trassenausbau vor, und zwar per Freileitung, nur im Ausnahmefall per Erdverkabelung. Der Trassenkorridor Mitte/West – quer durch Nordhessen – stehe aber schon fest. Die Heftigkeit des Widerstands der Bevölkerung sei kein Kriterium sagte Wagner.

Kosten unbestimmt

Nicht festlegen wollte sich Wagner bei den Kosten, gleichzeitig betonte er, dass diese ohnehin keine Rolle spielen würden. Und da Tennet in Deutschland der Monopolist für Freileitungen ist, schluckten die Zuhörer auch diese Information. Überschläglich kostet der Kilometer Südlink-Freileitung den Steuerzahler wohl 1,4 Mio. Euro.

Forderung nach Erdkabel

Viel Applaus bekam zum Schluss Zuhörer Rainer Auffarth für seinen Beitrag: „Ich kann nicht verstehen, warum bei einem solch riesigen Landschaftsverbrauch überhaupt darüber nachgedacht wird. Erdverkabelung wäre die einzige Möglichkeit, mit Mehrkosten müssen wir einfach leben!“ 53 Kommunen gegen Südlink

Zu Wort meldete sich Neuensteins Bürgermeister Walter Glänzer (CDU), der Sprecher von 53 Kommunen gegen Südlink in Hessen und Baden-Württemberg. Er fordert Alternativrouten, „wir glauben nicht, dass diese Trasse die richtige ist“. Die einzige Möglichkeit der Betroffenen sei, sich selbst zu helfen.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

Kommentare