Ramiz Tunalioglu ist der zweite Türke in Hessen, der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde

Vermittler zwischen Kulturen: Tunalioglu erhält Bundesverdienstkreuz

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Große Ehre: Ramiz Tunalioglu (vorne) erhielt das Bundesverdienstkreuz. Hintere Reihe von links: der türkische Generalkonsul Ilhan Saygili, Saliha Tunalioglu, Staatsminister Dieter Posch, Bürgermeister Dieter Runzheimer, mittlere Reihe: Karin und Özcan Tunalioglu mit Tochter Selin, Cemile und Raif-Ercan Tunalioglu mit ihren Kindern Mert und Damla.

Melsungen. Er ist Türke geblieben, und doch ist seine Heimat Deutschland, genauer: Melsungen. Ramiz Tunalioglu hat den Spagat zwischen den Kulturen gemeistert und vielen hier lebenden Türken geholfen, sich in Deutschland zurechtzufinden. Dafür wurde ihm das Verdienstkreuz am Bande des Bundesverdienstkreuzes verliehen.

Er ist damit der zweite Türke in Hessen, der diese hohe Auszeichnung erhält.

Zur Verleihung am Freitag, einem Tag von Tunalioglus 67. Geburtstag, waren zahlreiche Weggefährten gekommen, mit den meisten ist er per Du, bezeichnet sie als Freunde. So verband denn auch alle die Freude über die Ehrung: Für den Applaus standen alle auf.

Das waren Vertreter aus Politik, Schulen und Vereinen, natürlich Ehefrau Saliha, die Söhne Raif-Ercan und Öczan mit ihren Ehefrauen Cemile und Karin sowie den Enkeln Damla (14), Mert (10) und Selin (9). Die Kinder überraschten den Großvater mit einem Erinnerungsgeschenk mit den eingravierten Zeilen „Wir sind stolz auf unseren Opa“, was dieser mit Tränen der Rührung quittierte.

Lange Aufgabenliste

Dass die Familie in all den Jahren zwar im Herzen, aber nicht in der Zeit an erster Stelle stand, nicht gestanden haben kann, beweist die lange Liste der Aufgaben, die Rammiz Tunalioglu seit den 1979er-Jahren übernommen hat. Staatsminister Dieter Posch listete eine ganze Reihe auf. Vieles hat auch mit seinem Beruf als Lehrer zu tun.

Tunalioglu, der als Fünfjähriger und Sohn eines Offiziers aus seinem Geburtsland Bulgarien mit der Familie in die Türkei umsiedeln musste, wurde dort Lehrer, später auch Rektor von insgesamt zwei Schulen.

1970 zog es ihn nach Kassel. Er machte bei der Firma Wegmann ein Praktikum, übrigens just zu der Zeit, als auch Dieter Posch dort ein Praktikum machte. Über den Weg liefen sich die beiden nicht. Ein Jahr später zog es Tunalioglu in den Schwalm-Eder-Kreis, zunächst nach Fritzlar, wo er als Dolmetscher und Mitarbeiter-Betreuer bei der Firma Hengstenberg beschäftigt war.

In seinen Beruf wechselte er 1972. Seine Zeit als Lehrer für türkisch-muttersprachlichen Unterricht begann im Februar: erst in Spangenberg, später auch in Melsungen, Felsberg und Fritzlar. Seit 2002 ist er im Ruhestand.

Seit 1971 war Ramiz Tunalioglu ehrenamtlicher Sozialberater türkischer Familien in Fritzlar, danach in Melsungen und Bad Wildungen und überall dort, wo er beruflich zu tun hatte. Er vermittelte zwischen Behörden und Institutionen und der türkischen Bevölkerung, half bei Problemen.

Er engagierte sich in der Hausaufgabenhilfe, hat sich in der Arbeiterwohlfahrt eingesetzt, war als Mitbegründer 30 Jahre Vorsitzender des Deutsch-Türkischen Partnerschaftsvereins Arkadas (Freundschaft) in Melsungen, ehrenamtlicher Dolmetscher bei der Ausländerbehörde, Vertreter der türkischen Lehrer in der Gewerkschaft GEW, gründete und leitete den inzwischen nicht mehr existenten Ausländerbeirat in Melsungen und arbeitete im Arbeitskreis Ausländerintegration in Melsungen und vielen weiteren Einrichtungen mit.

Beispiel gelebter Integration

Bürgermeister Dieter Runzheimer nannte Tunalioglu ein Beispiel gelebter Integration und einen, der den Verdienstorden wirklich verdient habe.

Dass ein türkischer Staatsbürger eine solche Auszeichnung erhalte, sei eine große Ehre, sagte der türkische Generalkonsul Ilhan Saygili.

Von Brigitte Müller-Neumann

Quelle: HNA

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