Vermögen liegt unter der Erde

Bürgerversammlung zu Kanälen und Kläranlagen: Viele Infos, kaum Bürger

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Geringe Resonanz: Knapp 30 Besucher kamen in Homberg zu einer Bürgerversammlung, bei der es um die Kosten der Abwasserbeseitigung ging.

Homberg. Für Kläranlagen und Kanalnetz hat man in Homberg in den vergangenen Jahren viel Geld ausgegeben. Darüber und über die Gebührenentwicklung informierte die Stadt am Dienstag in einer Bürgerversammlung.

Die Resonanz war allerdings gering. Von den 30 Besuchern waren über die Hälfte Stadtverordnete und Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

Auf dem Podium informierten Peter Capitain (Unger Ingenieure), Stadtverordnetenvorsteher Heinz Marx, Bürgermeister Dr. Nico Ritz sowie Andrea Heub (Schüllermann und Partner).

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Das Kanalnetz

Ein Netz von 166 Kilometer Kanal durchzieht Homberg. Sieben Kläranlagen, sieben Regenwasserbecken und acht Staukanäle gehören zur Kanalisation. Alle Kanäle trennen das Schmutzwasser und das Regenwasser. Der Kanal in nahezu allen Stadtteilen wurde erneuert. Allein der Ronneberg, Relbehausen, Steindorf und Rückersfeld sowie die Mardorfer Grube sind noch nicht an das Kanalnetz angeschlossen. Auch Renovierungen an den Kläranlagen stehen noch an.

Gebühren

Seit dem vergangenen Jahr werden die Gebühren nach dem so genannten Abwasser-Splitting berechnet. Niederschlagswasser und verbrauchtes Trinkwasser sind Berechnungsgrundlage, vorher war es allein das verbrauchte Trinkwasser.

Die gesamte versiegelte Fläche in Homberg wurde ermittelt, um eine Größe für die Berechnung des Niederschlagswassers zu haben. Aus den ermittelten Werten wurde eine kostendeckende Gebühr von 3,84 Euro pro Kubikmeter verbrauchtem Wasser sowie 68 Cent für den Quadratmeter versiegelte Grundstücksfläche errechnet.

Wert der Kanalisation

Der Wert des Homberger Kanalsystems beträgt 119 Millionen Euro. „Das Vermögen liegt unter der Erde“, sagte Stadtverordnetenvorsteher Heinz Marx. Allein 42 Millionen Euro wurden in den vergangenen zehn Jahren investiert, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen.

Rein rechnerisch muss jeder Homberger für knapp zwölf Meter Kanal zahlen. In einer Stadt wie Wiesbaden seien das knapp drei Kilometer. „Die Kosten sind immer im Verhältnis zur Fläche und der Einwohnerzahl zu sehen“, sagte Ritz.

Schulden

Die Stadt Homberg hat 60 Millionen Euro Schulden. 70 Prozent davon stammen aus dem Bereich der Abwasserbeseitigung.

Gerechtigkeit 

Fragen aus dem Publikum bezogen sich auf die Gerechtigkeit der Verrechnung. In den Dörfern würden viele Grundstücksbesitzer die Dachflächen ableiten in Gewässer und so die versiegelte Fläche reduzieren.

Das sei ungerecht. In der Innenstadt habe man diese Möglichkeiten nicht. Andererseits sei das für Eigentümer von großen Höfen mit viel Fläche von Vorteil, sonst wären die Kosten immens hoch, erklärte Ritz.

Große Einkaufsmärkte beispielsweise mit viel Versiegelungsfläche, die eigentlich ein Grund gewesen seien, warum man das Gesetz geändert habe, würden nun nach Möglichkeiten suchen, das Wasser abzuleiten und so die Gebühren zu umgehen. Es gebe nun eben neue Ungerechtigkeiten, so der Bürgermeister. (zty)

Quelle: HNA

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