Musiktheater Dingo präsentierte in Zierenberg den weiblichen Blick auf die Minne

Mit Versen direkt ins Herz

Zurück ins Mittelalter: Susanne Schmidt und Katharina grote Lambers überzeugen durch ihre gelungenen Interpretationen. Foto:  zhf

Zierenberg. Ist man mit Rock, Pop und Schlager aufgewachsen, erscheint einem der Minnesang zunächst ungewöhnlich. Die Sprache für das durch moderne Musik geformte Ohr meist fremd, die Melodieführung oft eigen. Wenn das Musiktheater Dingo aus Hofgeismar sich aber seines liebsten Themas annimmt, dann scheinen sämtliche Barrieren gebrochen.

Bei der Premiere des neuen Stücks „Es stunt ein frouwe alleine“ am Samstagabend in der Zierenberger Stadtkirche erhält der interessierte Zuhörer schnell Zugang zu den musikalisch dargebotenen Dichtereien.

Sie berühren, gehen direkt ins Herz. Gefühle übermannen, scheinen plötzlich doch vertraut. Das mag daran liegen, dass der Minnesang zwar in der höfischen Kultur des Hochmittelalters wurzelt, doch aber eine zeitlose Kunstform ist. In den Melodien und Texten kann sich jeder, der Sehnsucht, Einsamkeit und Zurückweisung erlebt hat, wiederfinden.

Als Zentralthema hat der Minnesang den Mann, der leidet wie ein Hund, weil ihm seine Angebetete nicht einmal ein Lächeln schenkt. Über die Gefühle der Frau, die als Schnippische, Hartherzige, Unerreichbare dargestellt wird, erfährt man hingegen nichts. „Sucht man nach Frauennamen in der Manessischen, der Jenaer oder der Kolmarer Liederhandschrift, dann sucht man vergebens“, so Dr. Lothar Jahn, musikalischer Kopf der Dingo-Künstlergruppe. Kein einziger Name einer Dichterin sei überliefert. Grund genug, auf Spurensuche zu gehen, und so entstand „Der weibliche Blick auf die Minne“.

Starke, kreative Frauen

Starke und kreative Frauen wie Eleonore von Aquitanien, die Königin der Trobadore, Beatrix de Dia und Blanca von Kastillen werden zu Hauptfiguren der eindrucksvollen Darbietung. Beim Blick auf den deutschen Sprachraum, in dem Minnesängerinnen nicht überliefert sind, geht es hinter Klostermauern, wo Mechthild von Magdeburg den Minnesang in ihrer Jugend kennenlernte und die Mystikerin Hildegard von Bingen die Gregorianik auf ganz eigenständige Weise weiter entwickelte.

Dr. Lothar Jahn begleitet die musikalische Reise durch eindrucksvolle Hintergrundrecherchen mit viel Wissenswertem zur Entwicklung des Minnesangs. Die edel gewandeten Künstler überzeugen nicht nur gesanglich, sondern auch durch typisches Instrumentarium wie Sackpfeife, Harfe und Flöten. Eine Herausforderung, da nur Melodien ohne Rhythmisierung sowie Bilder von Instrumenten überliefert sind. „Die Interpretation ist der Kreativität der Musiker überlassen“, so Dr. Jahn.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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