Verseucht oder nicht? Anlieger des alten Gaswerks wollen Klarheit

Manfred Wystrach

Homberg. Diese Kehrtwende erstaunt und erzürnt viele Anwohner des alten Gaswerkes am Homberger Davidsweg: Jahrelang galt dessen Abbruch als beschlossene Sache. Nun aber wird nicht mehr über Abriss, sondern über Sanierung diskutiert.

Sie wollen Fakten

Manfred Wystrach, und Reinhard Ganß, Sprecher der „Interessengemeinschaft Anlieger Altes Gaswerk“, können diesen Sinneswandel der Stadt nicht verstehen. „Jahrelang sollte es wegen akuter Belastung abgerissen werden – nun aber soll die Dreckschleuder ein Jugendzentrum werden“, sagt Ganß.

Mehr als 40 Anwohner aus dem Lichte-, Tränke- und Davidsweg haben sich in der Interessengemeinschaft zusammengeschlossen, die vor allem eines will: Eine klare Aussage darüber, ob und wie sehr das Gebäude mit Chemikalien wie Cyaniden belastet ist.

Darüber hatte bereits Architekt Gontermann am Freitag bei einem Tag der offenen Tür informiert, doch dessen Ergebnis stellt die Interessengemeinschaft nicht zufrieden. Das bestehende Gutachten lasse zwei Sichtweisen zu, habe es dort geheißen. Doch statt „Wischiwaschi“ wollen die Anwohner Klartext. „Wer trägt die Verantwortung, wer haftet im Notfall?“ fragt Manfred Wystrach. Seine Forderung: Statt des bisherigen Gutachtens, das mehrere Sichtweisen zulasse, soll ein unabhängiges neues erstellt werden, das klare Auskunft über die Schadstoffbelastung gibt. „Es kann doch nicht sein, dass bei einer Sanierung Giftstoffe nur versiegelt und eingepackt werden, schon gar nicht bei einem Jugendzentrum“, sagt Ganß. Er stellt klar, dass die Interessengemeinschaft nicht gegen ein Jugendzentrum sei. Ihre Bedenken:
• Homberg weise viel Leerstand auf – dennoch habe die Stadt nichts Besseres im Sinn, als der Jugend ein belastetes Zentrum anzubieten, • die Stadt habe bereits als der Bauhof im Gaswerk untergebracht war, den Arbeitsschutz ignoriert. Nun wolle sie unter dem Deckmantel der Jugendförderung die Altlastensanierung verschleppen
• Die Stadt rede trotz aller Gefahren die Architektur des Werks schön
• Die Anwohner seien jahrelang hingehalten und vertröstet worden, als es um den Abriss des belasteten Gebäudes ging – das sei nun hinfällig

Die Interessengemeinschaft verlangt mehr Fakten, mehr Klarheit, mehr Bürgernähe, einen festen Ansprechpartner. Wenn ein neues Gutachten ergebe, dass das Gaswerk wirklich verseucht sei, müsse es abgerissen werden: „Gesundheit ist zig mal mehr wert als hübsche Architektur.“

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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