Versicherungsbetrug: Bewährung und 1000 Euro Strafe

Fritzlar. Weil er sich mit vorgetäuschten Versicherungsfällen Vorteile erschwindelt hatte, wurde ein 63-Jähriger zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt. Außerdem muss er 1000 Euro Strafe zahlen.

Sein eigenes Versicherungsgeschäft lief nicht mehr gut, deswegen verschaffte der Handelsvertreter und ehemalige Kundenberater einer Versicherung seinen Kunden und sich selbst Leistungen für vorgetäuschte Versicherungsfälle.

Angeklagt war der Mann aus dem Raum Kassel wegen des Verdachts der Untreue in 25 Fällen. Wegen Beihilfe bei zwei dieser Taten war außerdem ein 49-jähriger Mann angeklagt gewesen. Ihm wurde vorgeworfen, dem Mitangeklagten sein Konto für die Schadensregulierung zur Verfügung gestellt zu haben. Durch die Aussage des Angeklagten wurde der 49-Jährige entlastet, außerdem wurde für fünf Fälle die Anklage fallengelassen.

Der 49-jährige wurde freigesprochen. Er habe aus Sorge, seine wenigen Kunden zu verlieren, oft Kulanz-Zahlungen veranlasst, sagte der Angeklagte vor dem Amtsgericht Fritzlar aus. Das sei zwar nicht rechtens, aber im Versicherungsgeschäft durchaus üblich. Die Kunden und auch der Mitangeklagte hätten davon nichts gewusst. Aufgrund seiner langjährigen Mitarbeit habe ihm die Versicherungsfirma vertraut und ihm eine Regulierungsvollmacht für kleinere Schäden unter 1000 Euro gegeben. Rechnungen seien von der Versicherung meistens nicht angefordert worden.

So beglich er beispielsweise einen Kfz-Schaden als Schaden einer anderen Kategorie, damit die Versicherungsprämie des Kunden nicht hochgestuft wurde. Oder er gab einen Hundehaftpflichtfall, bei dem zwei Hunde die Brille ihres Halters zerstört hatten, als Privathaftpflichtfall eines anderen Kunden an, damit der Hundebesitzer die Brille von der Versicherung ersetzt bekam. Ein Brandschaden wurde großzügiger als nötig beglichen, ein Glasbruch noch nach Ende der Versicherung bezahlt.

Wenn er selber knapp bei Kasse war, regulierte er auch fingierte Schäden mit Zahlungen auf sein eigenes Konto. „Ich bin da rein geraten, es tut mir wirklich leid“, sagte der Angeklagte, der sich bemüht zeigte, dem Gericht seine Taten zu erläutern. Er habe bei der Versicherung um Entschuldigung gebeten und mit Zahlungen zur Wiedergutmachung des Schadens begonnen. Inzwischen arbeite er als Betreuer für Demenzkranke. Richterin Corinna Eichler folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Wenn keine Rechtsmittel eingelegt werden, wird das Urteil binnen einer Woche rechtskräftig.

Quelle: HNA

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