Versöhnung nach Prügel: Prozess gegen Angeklagten wurde eingestellt

Treysa. Auch wenn es die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge auf dem Truppenübungsplatz in Schwarzenborn nicht mehr gibt, muss sich die Justiz bis heute mit in der Zeltstadt begangenen Straftaten beschäftigen.

Erst kürzlich stand ein 28-jähriger Mann aus Pakistan wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht Schwalmstadt.

Der Richter wollte die Verhandlung schon vertagen, als 15 Minuten nach Prozessbeginn der Angeklagte und ein Zeuge den Gerichtssaal betraten - eigentlich waren drei Zeugen geladen. Da es sich bei dem Zeugen aber um das 18-jährige Opfer handelte, wurde trotz der fehlenden Zeugen verhandelt. Beide Männer wohnen seit einigen Monaten nicht mehr im Schwalm-Eder-Kreis und waren aus Frankfurt und Fulda angereist.

Laut Anklage hatte der 28-Jährige im vergangenen September seinen Zeltnachbarn an der Bushaltestelle der Erstaufnahmeeinrichtung geohrfeigt und mit einem Ast geschlagen. Durch die Schläge zog sich das Opfer zahlreiche Prellungen am Körper zu. Da weder Angeklagter, noch Zeuge Deutsch verstehen, musste ein Dolmetscher die Verhandlung übersetzen. Die Vorwürfe seien korrekt, erklärte der Mann: „Ich hatte alkoholbedingt keine Kontrolle mehr und habe ihm einige Schläge verpasst. Mit einem Stock habe ich aber nicht geschlagen.“

Als Grund für die Schlägerei gab der Pakistani verschiedene Beleidigungen des jüngeren Mannes, ebenfalls aus Pakistan, an. Darüber hinaus habe ihm der 18-Jährige bereits zuvor ohne zu Fragen die SIM-Karte aus dem Handy genommen, erzählte der Angeklagte. Laut des Angeklagten war die Stimmung zwischen den beiden Männern zum Tatzeitpunkt angespannt. Der Alkohol tat sein Übriges: Es seien wohl fünf bis sechs Bier und eine halbe Flasche Wodka gewesen, erinnerte sich der 28-Jährige: „Ich war richtig besoffen.“ Man habe sich nach dem Vorfall aber schnell wieder vertragen, so der Mann weiter: „Es war ja kein ernsthafter Streit, ich habe ihm nur einen Schubser gegeben.“

„Es war nicht so schlimm.“

Ursächlich für den Konflikt seien sexuelle Avancen des Angeklagten gewesen, berichtetet dagegen das 18-jährige Opfer: „Er hat zu mir gesagt: Ich möchte einen Kuss von dir.“ Als er der Aufforderung des Älteren nicht nachgekommen sei, habe dieser ihn erst beleidigt und dann geschlagen, so der Zeuge weiter.

Auf die Frage des Gerichts, ob der Täter auch mit einem Stock geschlagen habe, nickte der Mann bejahend und zeigte auf seinen Hände, die Brust und die Unterschenkel. Es habe sogar etwas geblutet, sagte der 18-Jährige: „Es war aber nicht so schlimm.“ Während der Zeugenaussage wirkte der Angeklagte zunehmend unsicher. Immer wieder blickte er nach unten und knetete nervös seine Hände.

Nach der Verlegung aus Schwarzenborn trennten sich die Wege der beiden Männer. Der Angeklagte habe sich bei ihm entschuldigt, betonte der 18-Jährige: „Ich denke, wir haben keine Probleme mehr miteinander.“ Angesichts der beiderseitigen Entschuldigung der Kontrahenten wurde das Verfahren in Einvernehmen aller Prozessbeteiligten wegen geringer Schuld eingestellt.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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