„Radfahrer verhalten sich zum Teil sehr egoistisch“

Nach Unfall bei Büchenwerra: Experte gibt Tipps zum sicheren Radfahren

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Brenzlige Situation: An der Nürnberger Straße in Melsungen müssen Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer gleichermaßen Acht geben, damit keiner zu Schaden kommt.

Melsungen. Erst kürzlich kam es zu einem Unfall zwischen zwei Radfahrern auf dem R1 bei Büchenwerra. Ein sechsjähriger Junge wurde dabei verletzt. Wir haben mit Dr. Johannes Heyn vom Allgemeinen deutschen Fahrradclub (ADFC) gesprochen, worauf Fahrradfahrer, aber auch Fußgänger achten müssen.

Sie kommen von hinten angerauscht, überholen ohne vorher zu klingeln oder fahren auf der Straße, obwohl es einen ausgeschilderten Radweg gibt: Fahrradfahrer sorgen sowohl bei Autofahrern als auch bei Fußgängern häufig für Ärger.

Auch Jürgen Kilian aus Grebenau erlebt solche Situationen immer wieder. „Radfahrer verhalten sich zum Teil sehr egoistisch“, sagt der 70-Jährige. Er erinnert sich an eine Situation, als er mit seiner Familie auf dem Radweg R1 zwischen Grebenau und Büchenwerra unterwegs war. Die Familie spazierte samt Kinderwagen auf dem gemeinsamen Fuß- und Radweg. Der Kinderwagen kippte leicht und lag auf dem Gehweg, als sich von hinten ein Radfahrer näherte.          

Der Radfahrer sei rechts zwischen Böschung und Kinderwagen hindurchgerast. „Der rief nur so etwas wie ‘Aus dem Weg’ und konnte gar nicht mehr abbremsen, weil er zu schnell war“, erzählt Kilian. Es sei ein Glück, dass der Kinderwagen nicht überrollt wurde und das Kind nicht mehr im Wagen saß.

„Rüpel gibt es überall“, sagt Dr. Johannes Heyn vom ADFC. In der beschriebenen Situation hätte der Radfahrer frühzeitig abbremsen und links an den Fußgängern in Schrittgeschwindigkeit vorbeifahren müssen. Im ländlichen Raum gebe es aber immer noch weniger Probleme als in Großstädten. Dort spreche man von Kampfradfahrern, die sich ohne Rücksicht durch die Fußgängerzonen durchdrängeln.

Im Schwalm-Eder-Kreis sind nur zwei Unfälle zwischen Fußgängern und Radfahrern bekannt, die auch zur Anzeige gebracht wurden. Nach Angaben der Polizeidirektion Schwalm-Eder habe es im Jahr 2013 insgesamt 49 Unfälle mit Fahrradbeteiligung gegeben, bis August 2014 waren es 27 Unfälle.

Johannes Heyn weist daraufhin, dass viele Fußgänger auf der anderen Seite oft sehr erschrocken seien, wenn man als Radfahrer an ihnen vorbeifährt, obwohl vorher etwa aus 50 Meter Entfernung angefangen wurde zu klingeln.

„Viele Fußgänger sind durch Kopfhörer vom Geschehen um sie herum so abgelenkt, dass sie das Klingeln nicht hören und dann auf die Radfahrer schimpfen“, sagt Heyn. Oft fehle das gegenseitige Verständnis. Generell sollten Fußgänger und Radfahrer aufeinander Rücksicht nehmen. Radfahrer müssten dennoch, sobald sie Fußgänger sehen und an ihnen vorbeifahren, ihre Geschwindigkeit dem Schritttempo der  Fußgänger anpassen.  

Fahrradwege seien zudem keine Rennstrecken. „Ich kann verstehen, dass man als Radfahrer auch mal gern etwas schneller unterwegs sein möchte“, sagt Heyn. Das setze jedoch nicht die Regel außer Kraft, immer in der Lage sein zu müssen, sein Fahrrad ohne Probleme abbremsen zu können.

Von Miriam Linke

Quelle: HNA

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