Pfarrer Schmidt sprach in der Eckhard-Vonholdt-Schule über Inklusion

Willkommen: Schulleiter Joseph Nadenau (links) begrüßte am Donnerstagabend Pfarrer Rainer Schmidt aus Bonn. Foto: Rose

Treysa. Schule für alle – haben die „besonderen Kinder“ eine Chance in der inklusiven Schule? Diese Frage war am Donnerstag Thema in der Eckhard-Vonholdt-Schule in Treysa. Die Grundschule ist die erste Schule in der Schwalm mit inklusiver Pilotklasse.

Inklusion, das bedeutet Einbeziehung und Dazugehörigkeit. „Dem Kind nicht das Gefühl zu geben, anders zu sein“, sagte Schulleiter Joseph Nadenau. Dazu sprach vor Eltern und Lehrern Pfarrer Rainer Schmidt, der selbst ohne Unterarme und mit einem verkürzten rechten Oberschenkel geboren wurde.

Dass sich Schule verändern müsse, daran ließ Schmidt keine Zweifel. Diese Veränderungen müssten auch im Kopf statt finden: „Jeder von uns hat Einschränkungen. Es ist eine Frage der Perspektive. Wenn ich Klavier spielen soll, sehe ich alt aus. Wenn Sie gegen mich Tischtennis spielen sollen, dann sehen Sie alt aus“, verdeutlichte er.

„Ziel einer inklusiven Schule sollte es sein, möglichst vielen Kindern viele Herausforderungen zu bieten.“

Rainer Schmidt

Kinder mit Förderbedarf riefen bei Lehrern häufig eines hervor – Angst. „Von den Lehrern ist eine hohe methodische und persönliche Kompetenz gefragt. Aber letztlich sorgt Inklusion für Entlastung.“ Letztlich sei doch das Ziel von Schule, dass möglichst viele Kinder effizient das Richtige lernen, um sich in der Gesellschaft zurecht zu finden. Schmidt nennt das die „Kompetenz zum Leben“. Um Kinder zu motivieren, brauche es Erfolgserlebnisse. „Herausforderungen, die uns weder über- noch unterfordern“, erläuterte der Referent. „Vertrauen in die eigene Kraft – das brauchen auch Erwachsene noch.“

Dabei könne Schule die Gier nach Neuem ausnutzen: „Ziel einer inklusiven Schule sollte es sein, möglichst vielen Kindern möglichst viele Herausforderungen zu bieten. Das geht nur, wenn sich methodisch etwas ändert.“ Schmidt nannte ein Beispiel: Die Kinder einer Klasse sollen kräftiger werden. Also füllt der Lehrer Eimer mit Sand – für alle gleich – und lässt die Kinder den Eimer heben und wieder absetzen. Das alles in einer vorgegeben Zeit: „Ein körperlich schwaches Kind wird sich quälen und schafft es nicht. Ein kräftiges Kind macht das mit links.“

„Optimal ist, wenn der Lehrer einen Impuls gibt und die Kinder sich beteiligen. Geben Sie Kompetenz an ihre Schüler ab“, riet er. „Jedes Kind soll sich seinen Eimer so voll Sand füllen, wie es es eben gut schafft.“ Dieses Erfolgserlebnis stärke das Ich-Vertrauen: „Und das Vertrauen zu anderen.“ Menschen mit Behinderungen gebe es nicht mehr: „Jeder hat seine Fähigkeiten – und die gilt es, zu stärken.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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