Gefängnisdirektor im Interview: Verwahrt ist nicht inhaftiert

Jörg Bachmann

Schwalmstadt. Der Gesetzentwurf von Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) zur Sicherungsverwahrung in Hessen ist bei Experten weitgehend auf Zustimmung gestoßen.

Juristen hatten bei einer Anhörung am Mittwoch im Landtag weniger auszusetzen als die Praktiker. In der JustizvollzugsanstaltSchwalmstadt leben derzeit 31 Sicherungsverwahrte. Schon vor dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts hatten sie einige Privilegien, wie Gefängnisdirektor Jörg Bachmann im Interview erklärt. Künftig können in einem eigenen Gebäude 63 Personen in größeren Wohnräumen untergebracht werden.

Waren Strafgefangene und Sicherungsverwahrte in der JVA Schwalmstadt bisher ähnlich untergebracht?

Bachmann: Gefangene und Verwahrte leben bei uns schon jetzt getrennt. Die Gefangenen sind auf Stationen mit bis zu 40 Häftlingen untergebracht. Das Mobiliar ihrer Hafträume ist vorgegeben und fixiert. Außer einem Stuhl, Tisch, Bett und Schreibtisch befinden sich ein Waschbecken und die Toilette im Haftraum. Die Zellen sind außerhalb der erlaubten Freizeit abgeschlossen, sie bieten pro Person etwa neun Quadratmeter Platz. Sicherungsverwahrte leben in Schwalmstadt in Wohngruppen. Sie richten ihr Zimmer selbst ein und tragen eigene Kleidung. Es gibt großzügige Gemeinschaftsduschen.

Gelten bei der Sicherungsverwahrung andere Sicherheitsbestimmungen?

Bachmann: Nein. Das Gefängnis in Schwalmstadt hat die höchste Sicherheitsstufe - sowohl für Häftlinge als auch für Verwahrte.

Wie unterscheidet sich deren Alltag von dem Strafgefangener?

Bachmann: „Die Sicherungsverwahrten dürfen sich innerhalb ihrer Wohngemeinschaft frei bewegen. Sie sitzen gerne im Aufenthaltsraum zusammen und kochen. Sie telefonieren zeitlich nach Belieben und können unbeschränkt Pakete oder Besuch empfangen. Die therapeutischen Angebote sind wesentlich intensiver. Durchschnittlich besuchen die Verwahrten rund sechs Stunden die Woche unter anderem Antiaggressionstrainings, Gruppen- und Einzeltherapien sowie Meditations- oder Kochkurse.

Das Bundesverfassungsgericht hat eine deutlichere Unterscheidung von Strafhaft und Sicherungsverwahrung gefordert. Was ändert sich in Schwalmstadt?

Bachmann: Ab Januar bauen wir um. Zwischenzeitlich werden die Sicherungsverwahrten in der JVA Weiterstadt untergebracht. Ende 2013 kommen sie zurück nach Schwalmstadt - in doppelt so große Zimmer mit etwa 20 Quadratmeter. Wir bieten dann sieben Wohngruppen für jeweils 4 bis 12 Personen.

Werden die Sicherungsverwahrten von besonderem Personal betreut?

Bachmann: Die Arbeit mit Sicherungsverwahrten ist seelisch besonders belastend. Deshalb machen das nur besonders geeignete Vollzugsbeamte. Sie entscheiden sich freiwillig dafür, wir zwingen niemanden. Die Beamten werden für diese Aufgabe speziell geschult. (dpa/lhe)

Quelle: HNA

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