Der ehemalige Fritzlarer Pfarrer Hans-Horst Althaus demonstriert seit den 70er-Jahren gegen Atomkraft

Veteran der Anti-Akw-Bewegung

Während einer Anti-Atomkraft-Demonstration in Marburg: Hans-Horst Althaus. Foto: Coordes

Marburg/Fritzlar. Er hat schon Anfang der 70er-Jahre gegen Atomkraft demonstriert. Er war in Wackersdorf, Biblis, Brokdorf, im Wendland und bei Flash-Mobs dabei. Seit der Laufzeitverlängerung im vergangenen Herbst hat er eine neue Anti-Atomkraft-Fahne. Seitdem geht Hans-Horst Althaus (71) fast jeden Montagabend zusammen mit seiner Ehefrau Waltraud zu den Marburger Demonstrationen: „Fukushima war für mich keine Überraschung“, sagt der 71-Jährige. Die Einführung der Atomtechnologie sei nach dem deutschen Faschismus das größte Verbrechen an der Menschheit, hat er in einer Rede vor dem Rathaus gesagt.

Früher hat er sich mit solchen Äußerungen in der Öffentlichkeit zurückgehalten. Schließlich war Hans-Horst Althaus gut 30 Jahre lang Pfarrer - erst in Burghaun, dann in Fritzlar und ab 1988 in Marburg-Cappel. Seinen Einsatz für die Friedensbewegung und den Umweltschutz hat er immer in die Freizeit gelegt.

Sitzblockade gegen Giftgas

Die Urlaubswoche für die Sitzblockade gegen das Giftgas der Amerikaner in der Pfalz hätte ihn fast zum vorbestraften Pfarrer gemacht. Erst in der zweiten Instanz wurde er freigesprochen. Verstehen kann er die strafrechtliche Verfolgung des passiven Widerstands nicht: „Giftgas ist eine Massenvernichtungswaffe, die völkerrechtlich verboten ist“, sagt der bekennende Wechselwähler, der seit Jahrzehnten beim Bund für Umwelt und Naturschutz aktiv ist. Seinen Einsatz gegen die Atomkraft erklärt Hans-Horst Althaus mit seiner Lebensgeschichte. Er kennt die Marburger Bahnhofsstraße noch als Trümmerlandschaft und erinnert sich an das unglaubliche Erschrecken angesichts der Atombomben, die auf Hiroshima und Nagasaki fielen.

Heute motivieren ihn seine drei Kinder mit den sechs Enkeln. Für den Pazifisten ist sein Kampf „eine Frage der Einsicht. Diese Technik verbietet sich für Menschen, weil die Folgen unrückholbar sind“, erklärt Althaus.

Angesichts der Vergünstigungen für die Atomriesen fasst er sich an den Kopf: „Dazu kann ich nicht still sein“, sagt der 71-Jährige. Zeitweise hatte er sogar ein paar Aktien bei den Energiekonzernen - nur, um auf den Aktionärsversammlungen seine Stimme erheben zu können, „dann kann keiner sagen, er hätte es nicht gehört.“

Eigene Konsequenzen hat die Familie längst gezogen. Vor 22 Jahren schaffte sie das Auto ab: „Beim Radfahren kommt man ohnehin besser mit den Menschen ins Gespräch.“ Den Erlös aus dem Verkauf des Wagens spendete er für Regenwaldprojekte.

Von Gesa Coordes

Quelle: HNA

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