Veterinäramt muss Tiere retten: Fälle von schlechter Pflege steigen drastisch

Schwalm-Eder. Vier Hunde und vier Katzen musste das Veterinäramt in den vergangenen Wochen retten – vor den eigenen Herrchen. Die Fälle von schlechter Tierhaltung im Landkreis haben massiv zugenommen.

Das sagt Kreistierarzt Dr. Dirk Kusan. Acht Fälle habe es bisher im Landkreis gegeben – deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. Nur im äußersten Notfall greift das Veterinäramt zu diesem Mittel.

Aber wenn das Wohl eines Tieres bedroht ist, machen die Veterinäre Ernst. Mit einem richterlichen Durchsuchungsbeschluss, Polizeibegleitung und einem Vertreter der Gemeinde holen die Veterinäre die Tiere ab, die in das Eigentum des Landkreises übergehen. Dabei kommt es auch zu Auseinandersetzungen mit renitenten Tierhaltern. In einem Fall mussten die Polizisten Pfefferspray einsetzen. Ein Mann hatte sich geweigert, seine 40 Hasen und Meerschweinchen herauszugeben, die in der Wohnung lebten.

Aber oft seien die Tierhalter schlicht überfordert, berichtet Kusan. In einem Fall, der bereits einige Jahre zurückliegt, wollte ein Pärchen Hunde züchten. Der Kreistierarzt befreite schließlich 60 Shih Tzus. Die Hunde lebten völlig verwahrlost in der Wohnung der Familie. Es gebe aber auch Fälle von Tierhorten oder Tiersammelsucht. Das ist eine psychische Störung, die zum unkontrollierten Halten und Sammeln von Haustieren führt. Im Januar mussten einem Mann beispielsweise 26 Hunde abgenommen werden.

In einem anderen Fall hatte eine Familie sogar 150 verschiedene Tiere. Diese Fälle seien aber selten. Meist hätten die Tierhalter das Bedürfnis, sich um etwas zu kümmern, bekämen aber oftmals ihr eigenes Leben nicht geregelt.

Die Halter bekommen zwar ein Tierhaltungsverbot erteilt, dieses bezieht sich aber lediglich auf die betroffene Art.

Erfreulich sei aber, dass es in diesem Jahr noch keinen angezeigten Fall von Tiermisshandlung gegeben habe.

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Quelle: HNA

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