900 Meter durch den Berg

30-Mio.-Baustelle: Blick in neuen Zierenberger Bahntunnel

Zierenberg. Die Baufahrzeuge sind zu groß und zu schwer, um auf normalen Straßen fahren zu dürfen. Mit Tiefladern wurden die Spezialfahrzeuge deshalb nach Zierenberg gebracht. Dort werden sie auf einer der größten Baustellen der Region eingesetzt: beim Bau des neuen Bahntunnels.

Seit gut zwei Wochen fressen sich die riesigen Baufahrzeuge immer weiter in den Berg. Rund 30 Meter des neuen Zierenberger Tunnels sind bereits entstanden. Rund um die Uhr wird jetzt auf der Baustelle geschafft.

Präzise wie ein Uhrwerk laufen die einzelnen Vorgänge ab: Mit dem sogenannten Spritzmobil wird, bedient durch eine Fernsteuerung, eine zehn Zentimeter dicke Schicht Beton auf die obere Hälfte des Tunnelgesteins aufgebracht. Sobald dieser Beton getrocknet ist, kann die untere Hälfte mit dem Bagger abgetragen und mit großen Lastwagen abtransportiert werden. Der Beton am oberen Teil verhindert, dass Gestein wegsackt. „Bis zu sieben Meter schaffen wir so am Tag“, sagt Martin Fischer, Bauleiter des österreichischen Unternehmens BeMo Tunnelling. Damit in der Röhre keine giftigen Dämpfe entstehen, arbeiten mehrere der Maschinen mit Strom, die Dieselfahrzeuge sind mit speziellen Filtern ausgestattet.

Piepsen zur Sicherheit

Doch nicht nur das schützt die Mitarbeiter. Neben Atemschutzmasken gegen Dämpfe und Staub sind sie außerdem mit Helmen, Ohrschützern, Warnwesten oder -jacken sowie mit Sicherheitsbrillen und -schuhen ausgerüstet. „Sicherheit ist bei uns ein wichtiges Thema“, sagt Fischer. Bevor die Bauarbeiten anfingen, hat er deshalb alle möglichen potenziellen Gefahren durchgespielt und Gefährdungsbeurteilungen erstellt. „Daraus wurden Schutzanweisungen abgeleitet.“ Die hängen an der sogenannten schwarzen Wand an den Büros aus - zweisprachig in Deutsch und Polnisch.

Zur Sicherheit trägt auch das Piepsen der Baufahrzeuge bei, sobald sie rückwärts fahren. Es habe bereits Anfragen von Anwohnern gegeben, ob sich dies nicht ausschalten lasse, weil es störe, sagt Hans-Martin König, Leiter der Infrastruktur bei der Kurhessenbahn. „Das ist allerdings unmöglich.“ Ansonsten habe es keine Beschwerden mehr von Anwohnern gegeben. Sorgen gab es im Vorfeld wegen möglicher Sprengungen am Berg. „Bislang sind keine nötig gewesen“, sagt König. Ob dies so bleiben wird, kann er jetzt noch nicht abschätzen, weil es vom Gestein abhänge. Sollten doch Sprengungen nötig werden, teile das die Kurhessenbahn als Bauherr 48 Stunden vorher mit.

Während der Bauarbeiten fahren weiterhin wie geplant Züge und Regiotrams durch den alten Tunnel, der jetzt mit Beleuchtung und Messeinrichtungen ausgestattet wurde. So kann regelmäßig überprüft werden, ob durch die Arbeiten am neuen Tunnel Schäden in der Nachbarröhre aufgetreten sind.

Arbeiten im Winter

Die Schienen und Schwellen aus dem alten Tunnel werden übrigens entsorgt, sobald die neue Röhre genutzt werden kann, sagt Hans-Martin König. Ist es soweit, wird mit einem Teil der Abbruchmasse der alte Tunnel verfüllt.

Bis der Neue Ende 2018 in Betrieb gehen wird, ist für die Männer noch viel zu tun - auch im Winter. Ruhen werden die Arbeiten in der kalten Jahreszeit nämlich nicht. „Im Tunnel ist es oft sogar wärmer als draußen“, sagt der Österreicher Fischer. Schon häufig hat der 34-Jährige große Baustellen betreut, doch „es ist immer noch spannend. Man weiß nie, was kommt“, sagt er.

Quelle: HNA

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