Videobeweis gegen Raser

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„Und hier sind Sie zu schnell gefahren“: Polizeioberkommissar Jörg Kleinschmidt (am Steuer) zeigt dem Schweden die Videoaufnahmen. Der 47-Jährige zeigt sich einsichtig.

Wolfhager Land. Sie haben ihn seit der Ausfahrt Staufenberg auf dem Bildschirm. Einen grauen Citroen. Dänisches Kennzeichen. Auf dem Autohof Cuxhagen an der Autobahn 7 schnappen sie zu. Jörg Kleinschmidt und Günter Dressler klappen die Leuchtanzeige hoch: „Polizei. Folgen“. Die ProViDa-Technik hat wieder einen Verkehrssünder gestellt.

144 Stundenkilometer, wo 120 erlaubt sind. „Bei freier Bahn hätte er durchgezogen“, vermutet Kleinschmidt. „Berufserfahrung“, sagt er dazu und steigt aus.

Der 56-jährige Däne aus Aalborg ist wortkarg. „Die Videotechnik ist aus Dänemark“, sagt Kleinschmidt, als er dem forschen Fahrer das Video zeigt. Der Däne lächelt müde, gibt zu, zu schnell gewesen zu sein und zahlt. 90 Euro. Bar.

Im Gegensatz zu ihren Polizistenkollegen arbeiten Günter Dressler (links) und Jörg Kleinschmidt in Zivil.

Dieses Mal gibt es keine Ausreden. „Da habe ich schon die skurrilsten gehört“, erzählt der 48 Jahre alte Kleinschmidt. Mal ist es der vermeintlich verstorbene Vater, mal die schwangere Frau oder ein wichtiger Geschäftstermine. 90 Prozent der Fahrer seien aber einsichtig.

So auch der Däne. Er ist der erste, den das Duo der Autobahnpolizei Baunatal an diesem Donnerstagvormittag wegen zu hoher Geschwindigkeit stoppt.

Da sind die beiden schon seit fast zwei Stunden unterwegs. Immer zwischen A 7 und A 49. Auch die A 44 gehört zum Aufgabenbereich der Polizeistation - insgesamt 160 Autobahnkilometer.

Doch Kleinschmidt und Dressler haben nicht nur Raser im Blick. Quasi nebenbei filmen sie, wie ein Lastwagenfahrer trotz Verbotes einen Kollegen überholt. Doch die Polizisten fahren weiter. „Das schicken wir per Post“, sagt der 55-jährige Dressler. Das Bußgeld: 70 Euro plus etwa 20 Euro Verwaltungsgebühr.

Auch auf Drängler oder Fahrer, die am Steuer telefonieren, haben sie ein Auge. „Abfallprodukte“ nennen es die Kommissare Es ist kurz nach 11 Uhr. Die Autobahnen sind noch nicht voll. Jetzt wäre die Zeit der Raser, sagt Kleinschmidt. „Es geht uns um die, bei denen die Öffentlichkeit ein Interesse daran hat dass sie aus dem Verkehr gezogen werden“, betonen beide.

Doch Raser gibt es an diesem Vormittag nicht. Nur ein schwarzer Toyota aus Schweden fällt auf. A7, Fahrtrichtung Göttingen. Das Duo misst, nimmt die fest eingestellten 310 Meter Strecke auf Video auf: 132 Stundenkilometer statt 100. 140 Euro Geldbuße. Zu viel für den 47-jährigen Schweden. Er muss zur Bank. Kleinschmidt und Dressler fahren voraus - und anschließend zurück auf die Autobahn.

Quelle: HNA

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